Sprüche über Angeberei
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Angeberei versucht Größe zu zeigen, wo innere Sicherheit oft gerade fehlt. Sie arbeitet mit Übertreibung, Lautstärke und dem Wunsch nach Wirkung und verrät damit mehr Unsicherheit, als sie verdecken kann. Darum wirkt dieses Thema zugleich komisch und unerquicklich, weil Schein hier wichtiger werden soll als Substanz.
Sei vorsichtig gegen diejenigen, die zu lebhaft mit Worten und Empfindungen spielen; sie suchen dadurch die wahren Vorgänge ihres Innern, ihre Gedanken zu verdecken.
— Heinrich Martin
Schwärmer hören nur sich selbst
— Jakob Wassermann
Ein Mensch, der sich etwas auf seine Intelligenz einbildet, ist wie ein Sträfling, der mit seiner großen Zelle prahlt.
— Simone Weil
Dass die Menschen immer mehr sein wollen als sie sind, ist eine der stärksten Quellen unseres Elends.
— Johann Jakob Wilhelm Heinse
Das Wohlwollen des Stolzen ist schwerer zu ertragen, als sein Hass.
— Paul Olaf Bodding
Nur ein Jäger, der protzt, steckt sich eine tote Ratte in den Gürtel.
Ein Rezensent, das ist ein Mann, der alles weiß und gar nichts kann!
— Ernst von Wildenbruch
Mancher redet grosse Worte und gebraucht nur kleine Münzen.
Manche interessiert an einem Gegenstand hauptsächlich das, was sie darüber sagen.
— Otto Weiss
Der Ruhm, welcher von denen flieht, die ihn suchen, folgt denen nach, welche sich nicht um ihn bemühen.
— Jacob Christoph Burckhardt
Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg höchstens einen amtlich bestellten Vormund.
— Herbert Henry Asquith
Das interessanteste Geschöpf der Zoologie ist der Fisch. Er wächst noch, während er längst verspeist ist. Wenigstens in den Augen des Anglers
— Ernest Miller Hemingway
Viel Klagen hör ich oft erheben, vom Hochmut, den der Große übt; der Großen Hochmut wird sich geben, wenn unsre Kriecherei sich gibt.
— Gottfried August Bürger
Wer stolz auf Vorzüg' ist, fühlt irgend ein Gebrechen; Und wer sich brüsten mag, ist sich bewußt der Schwächen.
— Friedrich Rückert
Bornierten Menschen sollte man nicht widersprechen. Widerspruch ist immerhin ein Zeichen von Anerkennung.
— Richard von Schaukal
Auf andere herabzusehen macht kleiner und ärmer. Es geschieht von einem Standpunkt, von dem keine menschliche Wärme ausgeht und an den keine gelangt.
— Else Pannek