Sprüche über Einsamkeit
232 Sprüche — Seite 12
Wenn Nähe fehlt und das eigene Innere keinen Widerhall mehr findet, wird Einsamkeit zu einer besonders stillen Form des Schmerzes. Sie betrifft nicht nur das Alleinsein, sondern das Gefühl, mit dem Wesentlichen unerreicht zu bleiben. Deshalb gehört dieses Thema zu den tiefen Erfahrungen menschlicher Verletzlichkeit.
Mitunter birgt sie auch einen Raum der Sammlung, sofern sie gewählt und nicht erlitten wird. Einsamkeit zeigt, wie sehr der Mensch auf Beziehung angewiesen bleibt und wie fein der Unterschied zwischen innerer Freiheit und Verlassenheit sein kann.
Einsamkeit ist weiter nichts als eine Verdauung des Gefühls oder ein Schlaf des Lebens. Nun ist es gewiss schändlich, immer der Verdauung zu obliegen oder zu schlafen.
— Johann Jakob Wilhelm Heinse
Wir können nicht leben ohne Menschen und leben nie mehr, als wenn kein Mensch um uns ist.
— August Pauly
Äusserlicher Adel braucht Gesellschaft, um etwas vorzustellen, innerer braucht Einsamkeit.
— August Pauly
Es ist dem Verstand selber nicht wohl, wenn er ganz allein zurückgeblieben ist in der Seele eines Menschen und alles fortgegangen ist, was warm war.
— August Pauly
Gute Gedanken sind gleich wie Wichtelmännchen. Sie kommen erst aus ihren Ecken hervor, wenn niemand da ist.
— August Pauly
Das Glück hat ein großes Gefolge, das Unglück kaum einen Gefährten.
— Theresa Keiter
Wenn Dich die üblen Launen plagen, so schließ' Dich ein. Dort magst du sie für Dich ertragen, uns macht es Pein.
— Heinrich Martin
Blicke demjenigen scharf in die Augen, der allein geht und dem Bettler eine Gabe reicht. Da siehst du den inneren Menschen.
— Heinrich Martin
Jubelt, und die Männer werden euch nachlaufen; trauert, und sie werden sich umdrehen und gehen. Nur an euren Freuden möchten sie uneingeschränkt teilhaben.
— Ella Wheeler Wilcox
Gäbe man einem Menschen alle Herrlichkeit der Welt, was hilft's, wenn er keinen Freund hat, dem er es sagen kann?
— Friedrich Wilhelm Kaulisch
Erfindungsgeist, Tatkraft, Fleiß und Geduld gestalten das Los des Einsamen erträglich.
— Daniel Defoe
In der Kunst ist es anders als beim Fußballspiel. In Abseitsstellung erzielt man die meisten Treffer.
— Edgar Degas