142 Sprüche — Seite 7
Nichts ist so nahe und wird doch so oft übergangen wie die Gegenwart. Während Gedanken in Vergangenes oder Zukünftiges ausweichen, bleibt gerade das Jetzt der Ort, an dem Leben tatsächlich geschieht. Deshalb gehört dieses Thema zu den stillen, aber entscheidenden Wahrheiten der Lebenskunst.
Ihr Wert liegt darin, dass in der Gegenwart Handlung, Wahrnehmung und Beziehung überhaupt erst möglich werden. Wer sie versäumt, verliert nicht nur Zeit, sondern oft auch das Einzige, was sich wirklich gestalten lässt.
Man kann sich Vergangenes oder Zukünftiges wünschen; aber man muss das Gegenwärtige nutzen.
— Francesco Petrarca
Wie gut man's hat, ist schwerer zu erkennen, als wie gut man's hatte.
— Otto Weiss
Die Vertrauensseligen der Gegenwart sind die Misstrauischen der Zukunft.
— Otto Weiss
Der Dichter ist das innerste Zentrum des Lebens seines Zeitalters.
— James Joyce
Wohl dem, der die Gegenwart als liebe Fortsetzung seiner Erinnerungen, als Richtschnur und Bürgschaft der Zukunft genießt.
— Theodor Toeche-Mittler
Von dem, was man heute an den Universitäten denkt, hängt ab, was morgen auf den Plätzen gelebt wird.
— José Ortega y Gasset
Es gibt für den Sterblichen kein Zurück; auch nicht eine Minute kehrt in gleicher Weise wieder.
— Sophie Alberti
Esoterik: Früher wartete man ein Leben lang aufs Jenseits, heute will man es schon im Diesseits.
— Henriette Wilhelmine Hanke
In jedem Leben gibt es Augenblicke, in welchen die Gegenwart mächtiger wirkt als die Vergangenheit und Zukunft.
— Karoline Friederike Louise M. von Günderrode
Jeder Mensch wird von seiner Zeit verschwemmt, von allen, die mit ihm leben. Nur auftauchen kann das bißchen Bessere im Charakter.
— Rahel Varnhagen von Ense
Die moderne Zeit liefert uns tausend Bequemlichkeiten, aber keinen einzigen warmen Platz für die Seele.
— August Pauly
Schichtenweise liegen die Schicksale der Menschen übereinander und bauen die Zeiten auf.
— August Pauly
Der moderne Mensch hat seine Körperoberfläche so sehr vergessen, dass ihm seine Kleider besser gefallen, als seine Haut.
— August Pauly
Die Dankbarkeit der Völker ehrt nur die Toten, selten die Lebenden.
— Theresa Keiter
»Für Geld die Welt!« Es liegt wenigstens guter, deutscher Reim und der Ausdruck unserer modernen Zeit darin.
— Heinrich Martin
Nur wer die Gegenwart gekannt hat, weiß wirklich, was die Hölle ist.
— Jakob Wassermann
Das eingetretene Übel hat immer eine freundlichere Gestalt als das entfernte.
— Friedrich von Matthisson
Ein Leben in der Vergangenheit oder in der Zukunft macht eine Gegenwart unmöglich
— Else Pannek
In den Stunden des nackten Entsetzens tropfen die Sekunden wie langsam fließender Honig in die Gegenwart
— Christa Schyboll
Wir leben in einer allzu bewussten Zeit. Wir wissen so viel, aber wir fühlen so wenig
— David Herbert Lawrence