188 Sprüche — Seite 10
Was etwas wert sein soll, entsteht oft nicht ohne Mühe. Sie begleitet Wege, auf denen Hindernisse, Erschöpfung und Wiederholung nicht zu umgehen sind, und verleiht dem Erreichten gerade dadurch ein besonderes Gewicht. Deshalb gehört dieses Thema eng zu Arbeit, Geduld und innerer Standfestigkeit.
Ihr Sinn liegt nicht im bloßen Ertragen, sondern darin, dass Mühe Form gibt und Dinge zur Reife bringt. Wer sich ihr stellt, erfährt oft erst im Rückblick, wie sehr Anstrengung das Eigene vertieft hat.
Was uns trifft, solange wir ihm ausweichen wollen, verbittert und beschwert uns, was wir aber selbst auf uns nehmen, ist von Stund' an nicht mehr schwer.
— Heinrich Lhotzky
Das Glück des Lebens besteht in der Abwechslung; die größte Mühseligkeit selbst wird dadurch zum Vergnügen. Immerwährende einerleie Freude wird bald Pein.
— Johann Jakob Wilhelm Heinse
Altersproblem: Die Zeit nimmt ab und die Langsamkeit zu.
— Henriette Wilhelmine Hanke
Den aufrechten Gang hat der Mensch schon in seinen Anfängen gelernt, aber er macht ihm jetzt noch zu schaffen.
— Henriette Wilhelmine Hanke
In jedem Leben geschieht es noch einmal, dass es sich müht, wiederzubeginnen wie mit Neugeburt: mit Recht nennt das vielzitierte Wort die Pubertät eine zweite Geburt.
— Lou Andreas-Salomé
Hat dich ein bittres Leid getroffen, so scheue nicht ein doppelt Müh'n; am schönsten pflegen Trost und Hoffen im Schweiß der Arbeit aufzublühn.
— Friedrich Julius Hammer
Dem Dank entfliehen, verrät ein Herz, dem Danken Mühe macht.
— Paul Johann Ludwig von Heyse
Gleicht das Leben nicht einem Akrobaten, der auf einer rollenden Kugel läuft, sich mit Kunst lange oben hält, aber endlich doch herunter muss aus Müdigkeit?
— August Pauly