76 Sprüche — Seite 3
Notwendigkeit bezeichnet das, was sich nicht beliebig umgehen lässt. In ihr zeigt sich, dass nicht alles Wunsch oder Laune unterliegt, sondern manches aus Sache, Zusammenhang oder menschlichem Bedarf hervorgeht. Gerade deshalb besitzt das Thema philosophische Schärfe und alltagsnahe Klarheit zugleich.
Hätte ich es sagen wollen oder können, hätte ich nicht nötig, es zu malen.
— Philipp Otto Runge
Jeden Abend muss unser Lebensfahrzeug zur Ausbesserung auf dieselbe Werft, die Bettstatt gebracht werden, auf der es einst gebaut und vom Stapel gelassen wurde.
— August Pauly
Es gibt Menschen, denen man zu einer Theorie, die man ihnen bietet, auch noch den Kopf liefern müsste, sie zu verstehen.
— August Pauly
Das Leben ist eine Erscheinung, welche an sich selbst ermüdet. Es lässt sich nur erhalten durch Unterbrechung. Es muss immer umgegossen werden in neue Individuen.
— August Pauly
Bildung ruht auf drei mächtigen Säulen: Geist, Natur und Kunst.
— Heinrich Martin
Echte und wahre Heiterkeit pflegt dem Boden ernster Bestrebungen zu entwachsen und nur auf demselben zu gedeihen.
— Friedrich Adolf Wilhelm Diesterweg
Was wir nicht zu erkennen vermögen, ist uns zu wissen nicht notwendig.
— Marie de Vichy-Chamrond (M. du Deffand)
Für beides danken, für das, was wir haben,und für das, was wir nicht brauchen.
— Christian Geyer
Liebe ist Lebenswärme, die man braucht, wie das tägliche Brot. Keine größere Wohltat kann zu irgendeiner Zeit des Lebens dem Erdenwanderer widerfahren, als wahre Freundschaft und echte Liebe.
— Friedrich Lienhard
Je höher der Mensch steht, um so stärkere Schranken hat er nötig, welche die Willkür seines Wesens bändigen.
— Gustav Freytag
Der Mensch ist dazu da, um zu lieben, und wenn er nicht liebt, lebt er nicht.
— Alexandre Vinet
Kein Häslein, es findet sein Gräslein.
Es ist nicht Not, dass man den Hund mit Bratwürsten werfe, solange man noch gute Bengel hat.
Du wirst noch Hunde führen müssen.
Er muss Hunde führen bis Bautzen.
Die jungen Raben brauchen Futter.
Die Raben müssen einen Geier haben.
Will das Roß nicht mehr ziehen, fällt es dem Schinder anheim.
Es ist nicht not, dass man die Sau schere, weil man sie brühen und sengen kann.
Demut und grösste Beharrlichkeit scheinen fast genauso notwendig beim Gärtnern wie Regen und Sonnenschein, und jedes Misslingen muss als Sprungbrett für Erfolgversprechenderes dienen.
— Elizabeth von Arnim