388 Sprüche — Seite 23
Mehr als Wissen, Lebenserfahrung oder geistige Brillanz ist Weisheit die Fähigkeit, das Wesentliche im rechten Zusammenhang zu sehen. Sie verbindet Urteil mit Milde, Klarheit mit Menschlichkeit und behält auch im Widersprüchlichen einen weiten Blick. Darum zählt dieses Thema zu den höchsten Formen innerer Reife.
Ihre Würde liegt darin, dass sie nicht nur erkennt, sondern das Erkannte auch lebensdienlich einzuordnen weiß. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen Weisheit als eine Haltung, in der Tiefe und Güte, Ernst und heitere Einsicht einander nicht ausschließen.
Zwischen Reden und Tun liegt das Meer.
Wer dem Buche dient, der dient dem Geiste, wer dem Geiste dient, der dient der Welt.
— Ernst von Wildenbruch
Einem unwilligen Rosse muss man die Sporen geben.
Was kein Verstand erfasst, keine menschliche Weisheit erreicht, das ist der wahren Liebe zu allen Zeiten möglich: ihr Quell ist unversiegbar.
— Henriette Davidis
Wer immer nur wartet, bis ein anderer ihm zum Essen ruft, wird oft nichts zu essen bekommen.
Feinden verzeihen, heißt nicht kleinmütig sein, sondern eine starke Seele besitzen.
Säu sind Säu und bleiben Säu.
Morgen ist immer der Tag, ab dem der Faule am meisten zu tun hat.
Im Garten der Zeit wächst die Blume des Trostes.
Süß sind Tränen, die die Liebe trocknet.
Gott verspricht eine sichere Landung, aber keine ruhige Reise.
Narren wachsen ohne Bewässerung.
Wo Herz ist, da ist auch Glück.
Der gute Jäger wartet, bis der Wolf zu ihm kommt
Autorität ohne Weisheit ist wie eine schwere Axt ohne Schneide: eher geeignet für einen dumpfen Schlag als für einen glatten Schnitt.
— Anne Bradstreet
Die größte Liebe ist die der Mutter, dann kommt die des Hundes und dann die eines Schatzes.
Freundliche Worte sind leicht, Freundschaft ist schwer.
Ein Dummkopf, der arbeitet, ist besser als ein Weiser, der schläft.
Wirf dein Herz über den Fluss und spring hinterher.
Wer wirklich gütig ist, kann nie unglücklich sein; wer wirklich weise ist, kann nie verwirrt werden; wer wirklich tapfer ist, fürchtet sich nie.
— Konfuzius