Sprüche über Zorn
116 Sprüche — Seite 6
Wenn Verletzung, Kränkung oder Widerstand plötzlich in glühende Heftigkeit umschlagen, tritt der Zorn hervor. Er besitzt Energie und Klarheit, kann aber ebenso Urteil verengen und Worte schärfen, bis mehr Schaden entsteht als zunächst beabsichtigt war. Deshalb gehört dieses Thema zu den ambivalenten Kräften des Gemüts.
Sein Wert liegt allenfalls darin, Unrecht nicht gleichgültig hinzunehmen. Zorn wird unerquicklich, sobald er nicht mehr geführt, sondern führend wird und dem Menschen seine Besonnenheit nimmt.
Es ist schwer den harten Stein böser Worte glatt zu schleifen.
Mutterflüche kleben nicht, und Vaters Zorn schwärt nicht.
Männer sind wie Sprudelwasser - aufbrausend und geschmacklos
Wo der Zorn den Richter macht, hat Gerechter schon verspielt, Weil der Zorn nicht auf das Recht, sondern auf die Rache zielt.
— Friedrich von Logau
Kindeshand ist bald gefüllt, Kindeszorn ist bald gestillt.
So war der Mensch zu allen Zeiten, so ist er jung, so bleibt er alt; Heiß ist er gegen Kleinigkeiten, und gegen große Dinge kalt.
— Magnus Gottfried Lichtwer
Irrtum erregt, Wahrheit beruhigt.
— Joseph Joubert
Es gibt für den charakterfesten Mann kein überzeugenderes Mittel, dass er das rechte getroffen, als wenn ein gewisses Gesindel darüber vor Ärger fast bersten möchte.
— Georg Friedrich Rudolph Herwegh
Wie's auch die Philosophen fassen Humor und Witz entströmt dem gleichen Born. Humor ist weises Geltenlassen, und Witz ist kalt gewordner Zorn.
— Oscar Blumenthal
Wie aber schlägt man den Zorn nieder? Nimm schnell deine Kraft zusammen, sobald du ihn aufsteigen fühlst: nicht heftig und ungestüm, sondern ruhig und doch ernsthaft.
— Franz von Sales
Der Zorn ist die Stärke der Dummen und Schwachen. Der große, gewaltige Mann ist milde.
— Hermann Stehr
Wenn beim rechten Handeln nicht mehr anden Erfolg gedacht wird, schwinden Ehrgeiz und Zorn.
— Bernhard Freidank
Des Mannes Witz zu Ende geht, wenn er in großen Zorn gerät.
— Bernhard Freidank
Wer die Liebe nicht versteht, begreift weder den Hass noch den Zorn.
— Fanny Lewald
Des Weibes Zorn ist am schlimmsten, wenn Beschämung zum Hasse sie treibt.
— Juvenal
Der Hass ist der Zorn der Schwachen.
— Alphonse Daudet