470 Sprüche — Seite 24
Was vergangen ist, verschwindet nicht einfach, sondern lebt in der Erinnerung in neuer Form weiter. Sie bewahrt Stimmen, Gesichter, Schmerzen und Glücksmomente und verbindet damit Gegenwart und Vergangenheit auf eine Weise, die kein Besitz ersetzen kann. Deshalb gehört dieses Thema zu den innigsten Bereichen menschlichen Erlebens.
In stillen Augenblicken zeigt sich, wie sehr Erinnerung trösten, schmerzen und Identität stiften kann. Die Sprüche zu diesem Thema fassen jene innere Spurensammlung in Worte, durch die Menschen und Zeiten nicht ganz verloren gehen.
Über die Torheiten unserer Jugend erröten wir nicht, aber über die Torheiten unseres Alters.
— Edward Young
Das Wort ist Medium der Erinnerung.
— Ferdinand Ebner
Die blasseste Tinte ist besser als das beste Gedächtnis.
Welch ein Glück, dass jede rechte Erinnerung zur Verinnerung wird
— Theodor Toeche-Mittler
Wohl dem, der die Gegenwart als liebe Fortsetzung seiner Erinnerungen, als Richtschnur und Bürgschaft der Zukunft genießt.
— Theodor Toeche-Mittler
Einsamkeit heißt Wirksamkeit für den, der Erinnerung und Ziel besitzt.
— Theodor Toeche-Mittler
Wieviel freundlicher und gefüger ist der Raum als die Zeit: liebe Stätten kann man wiedersehen, in glückliche Stunden sich nur zurückträumen.
— Theodor Toeche-Mittler
Ich wollte das Alter gern der Jugend gleichsetzen, wenn es nur nicht die Enge der Bewegung, die Schwere der Erinnerung, die Bitternis der Erfahrung hätte.
— Theodor Toeche-Mittler
Dem Tatendrange geweiht sei Dein Morgen und den Erinnerungen Dein Abend.
— Theodor Toeche-Mittler
Nichts ist lebendiger als die Erinnerung
— Frederico Garcia Lorca
Es wird mehr Training des Gedächtnisses als Schulung des Denkens betrieben.
— Henriette Wilhelmine Hanke
Der Mensch, der die Gewalt besaß, uns glauben und lieben zu machen, bleibt zutiefst in uns der königliche Mensch, auch noch als späterer Gegner.
— Lou Andreas-Salomé
Die Liebe ist das Einzige, was wir am Ende mitnehmen können, und sie macht das Ende so einfach
— Louisa May Alcott
Vergessenheit lässt sich nicht suchen, nicht finden, nicht plötzlich herbeiführen; sie kommt nach und nach wie von selbst
— Sophie Alberti
Ja, so sind die meisten Menschen. Die Unglücksfälle schreiben sie sich ins Gedächtnis und memorisieren sie fleißig; aber das Glück, das viele Glück, beachten sie nicht - arme, arme Welt.
— Paula Modersohn-Becker
Der Friede hat ebenso viele Siege aufzuweisen wie der Krieg, aber weit weniger Denkmäler.
— Kin Hubbard
Jedes Zeitalter schlägt von der hinter ihm liegenden Literatur anderer Bücher auf und andere zu, lernt Vergessenes wieder und vergisst Erlerntes.
— August Pauly
Wo eine echte Frau ist, da ergreift uns stets ein großes Heimatgefühl
— Theresa Keiter
Es bringt ein böses Wort viel Unheil oft zuwege. Doch schreibst Du, überlege: ein Brief spricht immerfort.
Nachsicht findet man allein nur bei edlen Seelen, die noch nicht vergessen haben: Ich auch konnte fehlen.
— Heinrich Martin