Sprüche über Gerechtigkeit
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Kaum ein Begriff wird so oft beschworen und so schwer eingelöst wie die Gerechtigkeit. Sie betrifft Verteilung, Urteil, Anerkennung und die tiefe menschliche Erwartung, dass Maßstäbe nicht bloß nach Macht, sondern nach Recht und Würde gesetzt werden. Darum gehört dieses Thema zu den großen moralischen Fragen jeder Gemeinschaft.
Ihre Schwierigkeit liegt darin, dass Gerechtigkeit mehr verlangt als bloße Regelanwendung. Sie braucht Gewissen, Augenmaß und den ernsthaften Willen, dem Einzelnen und dem Ganzen zugleich gerecht zu werden.
Die Gerechtigkeit ist nichts anderes als die Nächstenliebe des Weisen.
— Gottfried Wilhelm Leibniz
Das Schönste ist, gerecht zu sein, das Beste ist Gesundheit, das Angenehmste, wenn man immer erreicht, was man will.
— Sophokles
Junggesellen sollten hohe Steuern zahlen. Es ist nicht gerecht, dass einige Männer glücklicher sein sollen als andere.
— Oscar Wilde
Ein Dieb ist nirgends besser als am Galgen
Wo der Zorn den Richter macht, hat Gerechter schon verspielt, Weil der Zorn nicht auf das Recht, sondern auf die Rache zielt.
— Friedrich von Logau
Was recht ist, hat Gott lieb: Wer eine Geiß stiehlt, ist kein Bocksdieb.
Der gestohlene Pfennig gilt so viel als ein anderer.
Ein Schaf ist wohl fromm, es grast aber genau.
Es ist nicht not, dass man die Schafe frage, die Wolle gilt!
Man soll die Schafe scheren, aber nicht rupfen.
Ein guter Hirte schiert seine Schafe, ein übler zieht ihnen das Fell ab.
Richter sollen zwei gleiche Ohren haben.
Sieh dir nicht an, wie Diebe ihr Mahl verzehren, sondern wie sie ihre Strafe erleiden.
Etwas ist nicht recht, weil es Gesetz ist, sondern es muss Gesetz sein, weil es recht ist.
— Charles-Louis de Montesquieu
Man lese ein Buch, und lasse es auf sich einwirken, gebe sich dieser Einwirkung hin, so wird man zum richtigen Urteil darüber kommen.
— Johann Wolfgang von Goethe
Unbestechlichkeit ist nicht an Regeln gebunden.
— Albert Camus
Gerechtigkeit ist Wahrheit in Aktion.
— Joseph Joubert
Juristen sind wie Schuster, die zerren mit den Zähnen das Leder; sie die Rechte, dass sie müssen dehnen.
— Friedrich von Logau
Wer fällt ein Urteil oder kennt den Sachverhalt, bevor er beide Teile klar vernommen hat?
— Euripides
Wenn wir gerechter wären, würden wir zugeben, dass jedes Leben mehr frohe als trübe Sekunden gehabt hat.
— Carl Ludwig Schleich