208 Sprüche — Seite 3
Kritik gehört zu den empfindlichsten Formen menschlicher Auseinandersetzung. Sie kann verletzen, korrigieren, schärfen oder befreien, je nachdem, ob sie aus Überheblichkeit oder aus Wahrheitsliebe kommt. Deshalb ist dieses Thema für Lernen, Beziehungen und Selbstprüfung von besonderer Bedeutung.
Ihr Wert liegt nicht im Tadeln um des Tadels willen, sondern in der ehrlichen Klärung dessen, was verbessert werden kann. Gute Kritik verlangt Maß, Fairness und die Bereitschaft, auch die eigene Perspektive nicht für unfehlbar zu halten.
Die Selbstbezichtigung ist auch eine Art Luxus. Wenn wir uns selbst die Schuld geben, glauben wir, niemand sonst habe das Recht, uns die Schuld zu geben.
— Oscar Wilde
Im Gespräch muss man die Gedanken des Partners unterstützen, ihnen Raum und Luft schaffen. Man sollte sie nicht ersticken, bevor man ihnen widerspricht.
— Friedrich Georg Jünger
Um einen falschen Gedanken mit Erfolg zu widerlegen, muss man bekanntlich ein ganzes Buch schreiben, und den, der den Ausspruch getan hat, überzeugt man doch nicht.
— Otto von Bismarck
Nur dem nützt das Lob, der den Tadel zu schätzen versteht.
— Robert Schumann
Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man Anstoß erregt.
— Vincent van Gogh
Ehrliche Kritik ist schwierig anzunehmen, besonders von einem Verwandten, einem Freund, einem Bekannten oder einem Fremden
— Franklin P. Jones
Das ist die beste Kritik von der Welt: wenn einer neben das, was ihm missfällt, etwas anderes besseres stellt.
— Friedrich Rückert
Nichts sollte unsere Selbstzufriedenheit so sehr vermindern wie die Erkenntnis, dass wir heute verwerfen, was wir morgen billigen.
— François de la Rochefoucauld
Ungerechtfertigtes Lob kann Schwache gefährden, ungerechter Tadel auch Starke vom rechten Weg ableiten.
— Georg Ebers
Das Unheil, welches die schlechten Bücher anrichten, kann nur durch die guten wieder ausgeglichen werden.
— Germaine Madame de Stael
Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses. Ich habe Ihre Kritik vor mir. Bald werde ich sie hinter mir haben.
— Max Reger
Wer sich weder durch Lob verführen, noch durch Tadel in Verwirrung bringen lässt, der besitzt großen Herzensfrieden.
— Thomas à Kempis
Gebrauche nie ein hartes Wort, wo ein glimpfliches seine Dienste tut.
— Johann Peter Hebel
Glaube nicht an eine Freundschaft, die ein offenes Wort des Tadels nicht verträgt: Sie sucht in deiner Liebe nur ein Spielzeug für ihre Eitelkeit
— Meta von Salis
Schüchternheit ist ein Fehler, den man nicht tadeln darf, wenn man ihn heilen will.
— François de la Rochefoucauld
Die Starken sind immer ihre eigenen Kritiker
— Honoré de Balzac
Ein ausgesprochenes Nein wird akzeptiert und nicht übelgenommen. Ein verschwiegenes, durch spätere Nichthandlung erkennbares dagegen sehr.
— Else Pannek
Ich bin bis heute dem Mann noch nicht begegnet, wie berühmt er auch sein mochte, der nicht nach einer Anerkennung besser und einsatzfreudiger gearbeitet hatte als nach einem Tadel.
— Charles M. Schwab
Fürchte nicht Feinde, die angreifen, sondern Freunde, die schmeicheln
— Lord Byron
Es hilft nichts, das Unvollkommene heutiger Wirklichkeit zu höhnen oder das Absolute als Tagesprogramm zu predigen. Lasst uns stattdessen durch Kritik und Mitarbeit die Verhältnisse Schritt für Schrit …
— Gustav Walter Heinemann