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Sprüche über Leid

369 Sprüche — Seite 11

Wo Sehnsucht auf Grenzen, Verlust oder Ungerechtigkeit trifft, entsteht Leid in seinen vielen Gestalten. Es kann körperlich, seelisch oder still verborgen sein und gehört doch zu den Erfahrungen, die das Leben am tiefsten prägen. Deshalb ist dieses Thema schwer, aber unentbehrlich für jedes ernste Nachdenken über den Menschen.

Seine Wahrheit liegt darin, dass Leid nicht nur belastet, sondern Mitgefühl, Reife und Fragen nach Sinn hervorbringen kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben Schmerz und Ohnmacht eine Sprache, ohne deren Schwere zu beschönigen.

  1. Und wenn ein Freund dich kränkte, verzeih's ihm und versteh: es ist ihm selbst nicht wohl dabei, sonst tät er dir nicht weh.

    Friedrich Rückert

  2. Nur der Schmerz trennt und vereinzelt, in der Freude verlieren sich alle Grenzen.

    Friedrich von Schlegel

  3. Die Betrachtung des menschlichen Elends aber macht den Weisen stets maßvoll.

    Jean-Jacques Rousseau

  4. Unglück ist auch gut. Ich habe viel in der Krankheit gelernt, das ich nirgends in meinem Leben hätte lernen körnen.

    Johann Wolfgang von Goethe

  5. Freud und Leid sind Reiseleute, ziehen immer aus und ein; doch will dieses immer länger, jene kürzer bei uns sein.

    Friedrich von Logau

  6. Wir müssen lernen, den Menschen weniger auf das, was er tut oder läßt, als auf das, was er leidet, anzusehen.

    Dietrich Bonhoeffer

  7. Fasse deinen Mut zusammen! Es ist kein Elend in der Welt von beständiger Dauer.

    Adolph Freiherr von Knigge

  8. Die Ehe ist für uns arme Sünder ein Marterstand, drum, Eltern, zwingt doch keine Kinder ins Eheband.

    Johann Wilhelm Ludwig Gleim

  9. Wenn man dich plagt, so segne doch, wenn man dich hasst, so liebe noch: Es kann ein guter Mensch auf Erden durch böse Menschen besser werden

    Gerhard Tersteegen

  10. Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn's ihm gut geht, und eine, wenn's ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.

    Kurt Tucholsky

  11. Viele KInder sind das Leid der Mutter.

  12. Unterhaltung ist gut, wenn sie nicht unsittlich, sondern anständig ist, und wenn ihretwegen nicht andere leiden müssen.

    Leo Tolstoi

  13. Glück ist gut für den Körper, denn Kummer stört den Geist.

    Marcel Proust

  14. Gib dem Leid Ausdruck und es wächst Dir ans Herz. Gib der Freude Ausdruck und sie versetzt dich in Taumel.

    Oscar Wilde

  15. Wenn der Kummer zu tief für's Weinen ist, kann er ein Lied auf unsere Lippen bringen.

  16. Keine Speise wird gar und kein Brot wird gebacken ohne Feuer, und doch will der Mensch reif werden ohne Leid.

  17. Ohne Schatten gibt es kein Licht, man muß auch die Nacht kennenlernen

    Albert Camus

  18. Wer nicht ein kleines Leid zu ertragen versteht, muß sich darauf gefaßt machen, viele Leiden über sich ergehen zu lassen.

    Jean-Jacques Rousseau

  19. Es gibt für den Menschen nur drei Ereignisse: geboren werden, leben und sterben. Aber er merkt nicht, wenn er geboren wird. Er leidet, wenn er stirbt. Und er vergisst zu leben.

    Jean de la Bruyère

  20. Mitleid eines Mannes zu einer leidenden Frau ist immer Zärtlichkeit.

    Stefan Zweig