Sprüche über Liebe
1614 Sprüche — Seite 71
Kein anderes Gefühl vermag einen Menschen zugleich so zu stärken und so verletzlich zu machen wie die Liebe. Sie stiftet Nähe, weckt Sehnsucht, fordert Vertrauen und lässt selbst im Glück ein leises Zittern zurück. Darum gehört sie seit Jahrhunderten zu den großen Themen von Dichtung, Philosophie und Lebensweisheit.
In ihrer ganzen Tiefe zeigt sie sich nie nur als romantisches Versprechen, sondern auch als Prüfung von Geduld, Hingabe und innerer Reife. Die Sprüche zu diesem Thema fassen jene Kraft in Worte, die Herzen öffnet, Maßstäbe verschiebt und dem Leben seinen hellsten wie schmerzlichsten Glanz verleihen kann.
Lieb ist Leides Anfang.
Die Lieb ist übel angelegt, die keine Lieb herwider trägt.
Lieben und nicht genießen möchte den Teufel verdrießen.
Liebe macht Gegenliebe.
Ich liebe, was fein ist, ob's schon nicht mein ist, ob mir's gleich nicht werden kann, hab ich doch ein Gefallen dran.
Was einem nicht soll werden, ist das Liebste auf Erden.
Was liebt, das betrübt, was herzt, das schmerzt.
Wer die Liebe verbietet, gürtet ihr Sporen an.
Wen die Liebe kitzelt, dem ist der Tod nicht verhaßter als Aufschub.
Die Liebe treibt die Furcht aus.
Liebe empfindet keine Arbeit.
Lieb und Not hat kein Gebot.
Wer Lieb erzwingt, wo keine ist, der bleibt ein Narr zu aller Frist.
Gezwungene Liebe und gemalte Wangen dauern nicht.
Die Liebe trinkt nicht Rotwein.
Wider die Liebe ist kein Kraut gewachsen.
Lieb und Gesang kennt keinen Zwang.
Lieben und Singen läßt sich nicht zwingen.
Lieben und beten läßt sich nicht nöten.
Liebe weiß verborgene Wege.