459 Sprüche — Seite 2
Was dem Menschen widerfährt, entzieht sich oft seiner Planung und wird doch im Rückblick als Teil eines größeren Zusammenhangs gedeutet. Schicksal steht für jene Mischung aus Zufall, Notwendigkeit und Deutung, die das Leben geheimnisvoll und bisweilen widersprüchlich erscheinen lässt. Darum fasziniert dieses Thema seit Jahrhunderten.
Sein eigentlicher Kern liegt nicht nur im Geschehen selbst, sondern in der Frage, wie darauf geantwortet wird. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten das Verhältnis von Fügung und Freiheit und zeigen, wie eng äußeres Ereignis und innere Haltung miteinander verknüpft sind.
Das Leben schwer nehmen ist leicht, das Leben leicht nehmen ist schwer
Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein, sorge Du, Staat, dafür, dass ich dazu in der Lage bin.
— Ludwig Erhard
Das größte Lebenshindernis ist die Erwartung: Abhängig vom Morgen, verliert sie das Heute. Über das, was in der Hand des Schicksals liegt, verfügst du, doch das, was in deiner Hand liegt, lässt du …
— Seneca
Lebe jeden Tag, als wäre es dein Letzter, denn irgendwann wird einer dein Letzter sein.
— Publius Syrus
Weder die Sonne noch den Tod kann man fest ins Auge fassen.
— François de la Rochefoucauld
Wir gleichen den Lämmern, die auf der Wiese spielen, während der Metzger schon eines und das andere von ihnen mit den Augen auswählt; denn wir wissen nicht, in unseren guten Tagen, welches Unheil …
— Arthur Schopenhauer
Nützen wir den kurzen Tag, der uns gehört. Der nächste bringe dann, was er bringen mag.
— Horaz
Es gibt nur einen Weg zum Glück und der bedeutet, aufzuhören mit der Sorge um Dinge, die jenseits unseres Einflussvermögens liegen.
— Epiktet
Der Charakter des Menschen ist sein Schicksal.
— Heraklit von Ephesos
Einen Weisen machen weder günstige Umstände übermütig, noch drücken ihn ungünstige nieder Er hat nämlich stets darauf geachtet, den größten Wert auf sein eigenes Selbst zu legen.
— Seneca
Sorgen klopfen manchmal an die Tür, aber sie verschwinden wieder, wenn sie von drinnen ein Lachen hören.
Gott hilft uns nicht immer am Leiden vorbei, aber er hilft uns hindurch.
— Johann Albrecht Bengel
Niemand ist vor seinem Ende glücklich zu preisen.
— Solon
Alles, was dir begegnen wird, ist leider nicht zu vermeiden
— Sören Kierkegaard
Das Unglück ist es, worauf das Glück beruht. Das Glück ist es, was das Unglück birgt. Wer kennt das Ende ?
Mag dir dies und das geschehn, lerne still darüber stehn, sieh dir selber schweigend zu, bis das wilde Herz in Ruh.
— Christian Morgenstern
Das Erste und Wichtigste im Leben ist, dass man sich selbst zu beherrschen sucht, dass man sich mit Ruhe dem Unabänderlichen unterwirft und jede Lage, die beglückende wie die unerfreuliche, als etwa …
— Wilhelm von Humboldt
Wenn der Alltag dir arm erscheint, klage ihn nicht an - klage dich an, dass du nicht stark genug bist, seine Reichtümer zu rufen, denn für den Schaffenden gibt es keine Armut.
— Rainer Maria Rilke
Glücklich ist derjenige, dessen Lebensumstände seinem Temperament angepasst sind; höher noch aber steht derjenige, der sein Temperament allen Lebensumständen anzupassen vermag.
— David Hume
Wer Liebe sucht, findet sie nicht, sie überfällt uns, wenn wir sie am wenigsten erwarten.
— George Sand