459 Sprüche — Seite 9
Was dem Menschen widerfährt, entzieht sich oft seiner Planung und wird doch im Rückblick als Teil eines größeren Zusammenhangs gedeutet. Schicksal steht für jene Mischung aus Zufall, Notwendigkeit und Deutung, die das Leben geheimnisvoll und bisweilen widersprüchlich erscheinen lässt. Darum fasziniert dieses Thema seit Jahrhunderten.
Sein eigentlicher Kern liegt nicht nur im Geschehen selbst, sondern in der Frage, wie darauf geantwortet wird. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten das Verhältnis von Fügung und Freiheit und zeigen, wie eng äußeres Ereignis und innere Haltung miteinander verknüpft sind.
Es hilft uns kein Gedeutel, so nimm es, wie es fällt: Der eine hat den Beutel, der andre hat das Geld. Es lässt sich nichts erklopfen: der eine hat den Wein, der andre hat die Pfropfen. Man muss …
— Theodor Fontane
Beim Schlafengehen sollten wir uns sagen: Ich habe gelebt und den mir vom Schicksal bestimmten Weg zurückgelegt. Wenn Gott uns noch einen Morgen schenkt, werden wir ihn mit dem Gefühl, dass uns u …
— Seneca
Keinen Augenblick ist es unserer Entschlusskraft gegönnt zu ruhen. Selbst wenn wir verzweifelt geschehen lassen, was geschieht, haben wir beschlossen, nicht zu beschließen.
— José Ortega y Gasset
Ein Tor zum Glück oder Unglück gibt es nicht; beide kommen wenn du sie einlädst.
Es leitet uns das Schicksal, und die erste Stunde hat schon über die Zeit verfügt, die einem jeden zugemessen ist.
— Seneca
Das Leben zu Ende leben ist kein Kinderspiel
— Boris Pasternak
Das Schicksal nimmt nichts, was es nicht auch gegeben hat.
— Sophokles
Große Männer bleiben in jeder Lebenslage die gleichen, mag das Schicksal sie erhöhen oder erniedrigen, sie ändern sich nie, sie bleiben immer standhaft und ihrer Lebensart treu, so dass jeder sieht, d …
— Nicolaus Machiavelli
Ein Narr, wem die Zukunft gesichert erscheint! Oft lacht noch am Freitag, wer Sonntag schon weint.
— Jean Racine
Dem Tapferen sind Glück und Unglück wie seine rechte und linke Hand; er bedient sich beider.
— Katharina von Siena
Wenn der Mensch zu seinem Leid von heute nicht immer auch sein Leid von gestern und sein Leid von morgen hinzurechnete, so wäre jedes Schicksal erträglich.
— Rupert Johann Hammerling
Zwischen Weinen und Lachen schwingt die Schaukel des Lebens, zwischen Weinen und Lachen fliegt in ihr der Mensch.
— Christian Morgenstern
Du meinst du bist am Ende, am Ende bist du nicht, du musst nur durch das Dunkel, danach wird's wieder licht
Aller Besitz ist vom Schicksal geborgt.
— Seneca
Wenn dein Leiden sich mehrt, so mehrt sich die Kraft, es zu tragen.
— Johann Kaspar Lavater
Lass' Dich nicht von dem beunruhigen, was erst noch kommen soll! Wenn es Dir bestimmt ist, wirst Du die Zukunft schon erleben - im Besitz der gleichen geistigen Kräfte, mit denen Du jetzt die Ge …
— Mark Aurel
Die stürmischen Wellen an der unruhigen Oberfläche lassen die Tiefen des Ozeans unberührt. Und dem, der an größeren und ewigeren Wirklichkeiten Halt findet, erscheinen die häufigen Wechselfälle sein …
— William James
Es ist sinnlos, dem Schicksal zu grollen, es nimmt keine Klagen an.
— Mark Aurel
Gebunden führt der Schmerz uns alle durch das Leben. Sanft, wenn wir willig gehn, rauh, wenn wir widerstreben.
— Albrecht von Haller
Wer nicht hart genug ist, dem Leben seine Bedingungen aufzuprägen, der muss die Bedingungen hinnehmen, die es ihm bietet.
— George Eliot