459 Sprüche — Seite 6
Was dem Menschen widerfährt, entzieht sich oft seiner Planung und wird doch im Rückblick als Teil eines größeren Zusammenhangs gedeutet. Schicksal steht für jene Mischung aus Zufall, Notwendigkeit und Deutung, die das Leben geheimnisvoll und bisweilen widersprüchlich erscheinen lässt. Darum fasziniert dieses Thema seit Jahrhunderten.
Sein eigentlicher Kern liegt nicht nur im Geschehen selbst, sondern in der Frage, wie darauf geantwortet wird. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten das Verhältnis von Fügung und Freiheit und zeigen, wie eng äußeres Ereignis und innere Haltung miteinander verknüpft sind.
Sei, wer du sein sollst, und tue das Deine! So wird dich das Glück, das gute Schicksal, ungestört finden.
— Johann Gottfried Herder
Frei geht das Unglück durch die ganze Erde,
— Friedrich von Schiller
Die Zeit heilt keine Wunden. — Man lernt damit zu leben. — Das ist alles.
— Else Pannek
Das menschliche Herz hat eine fatale Neigung, nur etwas Niederschmetterndes Schicksal zu nennen.
— Albert Camus
Ob laut ob leise, die Melodie des Lebens spielt jeder auf seine eigene Weise.
Gewohnheit heißt die große Lenkerin des Lebens. Daher sollen wir uns auf alle Weise erstreben, gute Gewohnheiten einzuimpfen
— Francis Bacon
Du hattest kein Glück und ich hatte keins; wir nahmen einander, nun haben wir eins. Wo haben wir es denn hergenommen? Es ist vom Himmel auf uns gekommen.
— Friedrich Rückert
Wer sich dem Zufall überlässt, ist ein hilflos treibendes Stück Holz auf dem Wasser
— Nikolaus B. Enkelmann
Die Änderung der eigenen Misere von anderen zu verlangen, ist einfach und unwirksam.
— Else Pannek
Nicht frei sind wir, zu hassen und zu lieben, dem Willen wird's vom Schicksal vorgeschrieben.
— Christopher Marlowe
Wer von den ungewissen Ereignissen der Zukunft nichts erhofft und nichts befürchtet, ist wahrhaft klug.
— Anatole France
Alle Tragödien beendet der Tod, alle Komödien die Ehe
— Lord Byron
Wenn ich gut gegessen habe, ist meine Seele stark und unerschütterlich; daran kann auch der schwerste Schicksalsschlag nichts ändern.
— Jean-Baptiste Molière
Der tröstende Gedanke aber bleibt fort und fort, dass Gott auch widrige und schmerzliche Schicksale nur aus Liebe sendet, um unsere Gesinnungen zu läutern.
— Wilhelm von Humboldt
Schuld haben sie beide nicht: Weder der Mensch, noch das Schicksal; sie passen nur immer ganz genau aufeinander.
— Wilhelm Raabe
Obwohl jeder das Schicksal hat, einmal zu sterben, lege deinen Kopf nicht in den Rachen des Löwen.
— Saadi Moscharrefoddin
Glücklich sind wir zwei gegangen immer gleichen Schritts. Was du vom Schicksal hast empfangen, ich empfing es mit. Doch nun heißt es Abschied nehmen und mir wird so bang, jeder muss alleine gehen s …
Ein frei denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt.
— Heinrich von Kleist
Bisweilen kommt, nachdem das Schlimmste überstanden ist noch Schlimmeres.
— Otto Weiss
Ob noch so schwer des Lebens Bürde, vergiss nie deine Menschenwürde.