Sprüche über Zeit
858 Sprüche — Seite 37
Nichts vergeht leiser und wirkt zugleich mächtiger auf das menschliche Leben ein als die Zeit. Sie ordnet Erinnerungen, heilt Wunden, vertieft Verluste und macht sichtbar, was Bestand hat und was nur vorübergehend schien. Darum ist sie weit mehr als ein Maß des Alltags, nämlich die unsichtbare Form aller Erfahrung.
Ihre Härte liegt darin, dass sie sich weder festhalten noch zurückholen lässt. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Vergänglichkeit, Geduld und Gegenwart zu klugen Einsichten und erinnern daran, dass der wahre Wert eines Augenblicks oft erst erkannt wird, wenn er bereits vergangen ist.
Alle Tag ein Stückerl weiter, alle Tag ein bisserl gescheiter.
Gott weiß die Zeit.
Gott läßt sich seine Uhr von keinem Menschen stellen.
Wenn die Hunde gähnen, ist die beste Jagd vorbei.
Eine Krähe macht keinen Winter.
Das Pferd stirbt oft, eh das Gras wächst.
Stirb nicht, lieber Hengst, es kommt die Zeit, wo Gras wächst.
Hurenlieb so lange währt, als das Feuer auf dem Herd.
Ist es das Gute selbst an der schlimmsten Zeit, dass sie vergeht, ist eben dies das Schlimme auch an der besten
— Dante Alighieri
Wenn nur die Zeit nicht so verginge, aber sie vergeht so wahnsinnig.
— Franziska Gräfin zu Reventlow
Seelenleiden zu heilen vermag der Verstand wenig, die Zeit viel, entschlossene Tätigkeit alles.
— Johann Wolfgang von Goethe
Handelt man zu spät, so verpasst man die günstige Gelegenheit, handelt man zu früh, so hat man noch nicht genügend Kräfte gesammelt.
— Nicolaus Machiavelli
Warte nie, bis du Zeit hast!
Wer die Zeit nur wie eine Ware betrachtet, die rationell und gewinnbringend einzusetzen ist, wird ihre besten Seiten niemals kennen lernen.
— Rainer Haak
Ist die Zeit auch hingeflogen, die Erinnerung weicht nie; als ein lichter Regenbogen ruht auf trüben Wolken sie.
Die Schwierigkeit einer Sache beruht nicht auf ihrer Größe, sondern darauf, die rechte Zeit zu erkennen.
Keiner will heute leben; keiner ist mit der gegenwärtigen Stunde zufrieden; alle finden, dass sie gar zu langsam vergeht.
— Jean-Jacques Rousseau
Heiter muß man die Gebrechen hinnehmen, die der Himmel schickt oder die Zeit herbeiführt.
— Joseph Joubert
Rosen pflücke, Rosen blühn Morgen ist nicht heut! Keine Stunde laß entfliehen, Flüchtig ist die Zeit!
— Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Die Ehrgeizigen und die Wollüstigen haben nur selten Zeit zu denken.
— Voltaire