Sprüche über Zweifel
209 Sprüche — Seite 15
Zwischen blindem Glauben und sicherem Wissen hat der Zweifel seinen eigentümlichen Platz. Er stört bequeme Gewissheiten, prüft scheinbar Festes und kann dadurch lähmen oder vertiefen. Deshalb gehört dieses Thema zu den produktiven, aber auch belastenden Kräften des Denkens und Fühlens.
Nicht jeder Zweifel ist Schwäche, manche Form davon bewahrt vor Selbsttäuschung und Eitelkeit. Er wird erst dann unerquicklich, wenn Prüfen in endloses Zögern umschlägt und kein Entschluss mehr gewagt wird.
Wenn das Aug nicht sehen, will, helfen weder Licht noch Brill'.
Wer seine Augen im Brillenfutter hat, der kann viel übersehen.
Wer einkauft, hat hundert Augen nötig, wer verkauft, nur eins.
Man muss hinten und vorn Augen haben.
Die Augen glauben sich selbst, die Ohren anderen Leuten.
Ein böser Mensch ist wie eine Kohle: er brennt oder schwätzt.
Wenn Heu und Stroh beisammen sind, so brennt es gern.
Der hat seinen Dreck nicht weggetan, der ihn unter sein Fenster fegt.
Wer höher fliegt, als er Federn hat, der kommt zum Lohn in Spott und Schad
Wer seinen Fehler nicht erkennt, kann ihn nicht verbessern
Ein geschlagener Feind ist noch nicht überwunden
Den Feind schlägt man eher mit Rat als mit Tat
Alte Feindschaft wird leicht neu
Besser offener Feind als zweideutiger Freund.
Wer Feinde schont und Freunde erzürnt, ist sich selbst feind
Wenn einer keinen Feind hat, so geht's ihm übel
Kleine Feinde und kleine Wunden verachtet kein Weiser
Wer ein Feuer will löschen, muss anfangs die Funken ersticken
Feuer hört nicht auf zu brennen, man tue denn das Holz weg
Wer anderer Feuer schürt, dem verlöscht das eigene