Sprüche über Fehler
584 Sprüche — Seite 25
Kaum etwas wird so gern vermieden und ist doch so unvermeidlich wie der Fehler. In ihm zeigt sich menschliche Begrenzung, aber auch die Möglichkeit, aus Irrtum Erkenntnis zu gewinnen und sich weiterzuentwickeln. Deshalb gehört dieses Thema nicht nur zur Schwäche, sondern ebenso zur Reifung eines Menschen.
Entscheidend ist weniger, ob ein Fehler geschieht, als wie mit ihm umgegangen wird. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten Schuld und Lernfähigkeit, Nachsicht und Selbstkritik und machen deutlich, dass Fortschritt oft erst dort beginnt, wo Unvollkommenheit nicht geleugnet, sondern ehrlich angenommen wird.
Wenn dem Esel zu wohl ist, so geht er aufs Eis und bricht ein Bein.
Kein Fisch ohne Gräte, kein Mensch ohne Mängel.
Errare humanum, sagte der Hahn und trat die Ente.
Es legt wohl auch eine kluge Henne in die Nesseln.
Die Kuh stößt den Kübel um.
Wo die Liebe fehlt, erblickt man alle Fehler.
Man muss das Pferd und nicht den Reiter zäumen.
Er zäumt das Pferd beim Schwanz auf.
Man muss das Pferd nicht auf den Esel setzen.
Hast du einen Sautrog umgestoßen, so richt ihn nicht wieder auf.
Ein Metzger tut manchen vergebnen Sprung, ein Hund noch mehr.
Entdecke Fehler bei dir, bereinige sie; kannst du keine finden, sei umso mehr auf der Hut.
Einem Dieb ist immer ängstlich zumute.
Die Tür verriegeln, nachdem der Dieb fort ist.
Denn wenn dein Buckel deinen Freund nicht kränkt, mußt du auch dessen Warzen übersehen, da, wer um Nachsicht bittet, sie auch üben soll.
— Horaz
Die Menschen begehen den Fehler, dass sie ihren Hoffnungen keine Grenzen zu setzen wissen. Sie bauen auf sie, ohne sich nach den eigenen Kräften zu richten, und rennen so ins Verderben.
— Nicolaus Machiavelli
Was der Mensch fliehen will, das bringt er mit an den Ort, an den er flieht
— Carl Friedrich Paul Ernst
Der herbste Tadel lässt sich ertragen, wenn man fühlt, dass derjenige, der tadelt, lieber loben würde.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Jeder sagt mal Unsinn. Es ist nur ein Unglück, wenn man es feierlich tut.
— Michel de Montaigne
In der Liebe ist alles wahr, alles falsch. Sie ist das einzige Ding, über das man nichts Absurdes sagen kann
— Nicolas Chamfort