Sprüche über Vergänglichkeit
493 Sprüche — Seite 22
Alles, was den Menschen umgibt und bewegt, trägt den Zug des Vorübergehenden in sich. Schönheit vergeht, Nähe verändert sich, Stunden entschwinden, und gerade in dieser Endlichkeit erhält das Leben seine Schärfe und seinen Ernst. Deshalb gehört Vergänglichkeit zu den stillen Grundthemen jeder tiefen Lebensbetrachtung.
Aus ihr erwächst nicht nur Wehmut, sondern auch ein besonderer Sinn für Gegenwart und Wertschätzung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Verlust und Erkenntnis verbunden sind und warum das Bewusstsein des Endlichen viele Dinge nicht kleiner, sondern kostbarer erscheinen lässt.
Man glaub gewöhnlich, es gibt keine Steigerungsform von tot. Diese gibt es aber doch: ausgestorben
— Martin Kessel
Wie schnell alle Sterne verschwinden, sobald sich die Sonne erhebt.
— Friedrich von Bodenstedt
Mit jeder untergehenden Monarchie verdunkelt sich der Himmel, denn er verliert einen Stern. Republik, das ist freigesetzte Scheußlichkeit
— Anatole France
Wir sind das, was dann übrig bleibt, wenn das Vergängliche von uns genommen ist.
— Karl Robert Eduard von Hartmann
Das Leben ist wie ein geschicktes Zahnausziehen. Man denkt immer, das Eigentliche sollte erst kommen, bis man plötzlich sieht, das alles vorbei ist
— Otto von Bismarck
Auch Quellen und Brunnen versiegen, wenn man zu oft aus ihnen schöpft
— Demosthenes
Liebe verhungert nicht, aber sie stirbt oft an Verdauungsstörung.
— Anne Lenclos
Es ist unmöglich, zweimal in denselben Fluss zu springen. Auch wenn wir in dieselben Flüsse steigen, fließt immer anderes Wasser herbei
— Heraklit von Ephesos
Das Geschwätz zweier Menschen kann Häuser zum Einsturz bringen.
Karriere ist ein Pferd, das ohne Reiter vor dem Tor der Ewigkeit anlangt.
— Thomas Hobbes
Selbst ein dickes Seil fängt an einem Faden zu faulen an
Vor der Ewigkeit ist alles nichtig.
— Michail Bakunin
Wer die Zeit verklagen will, dass so zeitig sie verraucht, der verklage sich nur selbst, dass er sie nicht zeitig braucht
— Friedrich von Logau
Wie kurz ist das Leben. Und warum wollen wir es mit unseren Beängstigungen noch mehr verkürzen?
— Ludwig Tieck
Einer schlechten Sache müssen ihre Gegner nur unbegrenzten Spielraum lassen, sich selbst zugrunde zu richten.
— Richard Rothe
Die Lust der Zerstörung ist gleichzeitig eine schaffende Lust.
— Michail Bakunin
Lüge mag siegen, aber die Triumphe der Lüge sind bloß die Triumphe eines Tages.
— Thomas Babington Macaulay
Zukunft ist etwas, was die meisten erst lieben, wenn es Vergangenheit geworden ist.
— Herman Melville
Hoffnung ist der Kampf der Seele, die von dem, was vergänglich ist, losbricht und ihre Zeitlosigkeit bezeugt.
— Herman Melville
Und darein, woraus die Dinge entstehen, vergehen sie auch wieder, wie es bestimmt ist.
— Antiphon