564 Sprüche — Seite 21
Gefahr gehört zu jenen Erfahrungen, in denen das Leben plötzlich seine Verletzlichkeit zeigt. Sie kann von außen drohen oder aus menschlichem Leichtsinn, Machtstreben und Selbstüberschätzung entstehen und zwingt dazu, genauer hinzusehen. Gerade deshalb ist dieses Thema nie nur düster, sondern auch klärend.
Wo Gefahr erkannt wird, treten Mut, Vorsicht und Urteilskraft zugleich hervor. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie schmal der Abstand zwischen Sicherheit und Bedrohung oft ist und warum Wachsamkeit nicht Angst bedeuten muss, sondern ein Ausdruck verantwortlicher Nüchternheit sein kann.
Wen das Glück zärtelt, dem will es den Strick um den Hals werfen.
Vor fremden Gut bewahr' die Hände, sonst nimmst du bald ein schlimmes Ende.
Sei schlicht und wahr, blick der Gefahr frei ins Gesicht: fürchte dich nicht!
Der Adler sieht das Luder wohl, aber nicht den Jäger.
Das freie Schaf frisst den Wolf.
Die Gans geht so lange zur Küche, bis sie am Spieß stecken bleibt.
Sähst du einem Hasen so ähnlich als einem Narren, die Hunde hätten dich längst zerrissen.
Schweigender Hund beißt am ersten.
Unter einem Fuder Heu erstickt keine Maus.
Wer sich mausig macht, den fressen die Katzen.
Mach dich nicht mausig, wir haben Katzen.
Erziehst du dir einen Raben, so wird er dir ein Aug ausgraben.
Die Störche fliegen hoch und tragen im Schnabel Kröten und Schlangen.
Wer sich zur Taube macht, den fressen die Falken.
Mit welchen Vögeln man fliegt, mit denen wird man gefangen.
Die Vögel, die zu früh singen, holt am Abend die Katz.
Wer einen Fuß im Hurenhaus hat, hat den andern im Spital.
Die menschliche Hand bedeutet menschliche Macht: Mit dem durchgeistigten Handeln der Hand ist der Mensch der Natur gegenüber gefährlich geworden.
— Oswald Spengler
Es ist sonderbar, dass der Mensch sich nicht vor sich selbst fürchtet.
— Friedrich von Schlegel
Glück gibt Gefährten, Gefahr bewahrt den Freund
— Friedrich Halm