564 Sprüche — Seite 8
Gefahr gehört zu jenen Erfahrungen, in denen das Leben plötzlich seine Verletzlichkeit zeigt. Sie kann von außen drohen oder aus menschlichem Leichtsinn, Machtstreben und Selbstüberschätzung entstehen und zwingt dazu, genauer hinzusehen. Gerade deshalb ist dieses Thema nie nur düster, sondern auch klärend.
Wo Gefahr erkannt wird, treten Mut, Vorsicht und Urteilskraft zugleich hervor. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie schmal der Abstand zwischen Sicherheit und Bedrohung oft ist und warum Wachsamkeit nicht Angst bedeuten muss, sondern ein Ausdruck verantwortlicher Nüchternheit sein kann.
Halbes Studium ist gefährlicher als die rohe Unbefangenheit des Talents
— Otto Ludwig
Man fällt nicht über seine Fehler! Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen.
— Kurt Tucholsky
Die Frau ist kein Raubtier, im Gegenteil, sie ist die Beute, die dem Raubtier auflauert.
— José Ortega y Gasset
Man ist verloren, wenn man zu viel Zeit bekommt, an sich zu denken.
— Georg Christoph Lichtenberg
Wer keine Gelegenheit auslassen kann, etwas Kluges zu sagen, dem kann man die Behandlung eines großen Problems nicht anvertrauen.
— William Hazlitt
Wer Geld besitzt, dem drohen Diebe, er schlummert nie in Sicherheit, viel sichrer schläft die Zärtlichkeit bei Aktien der Liebe.
— Anna Luise Karsch
Wer den Feind und sich selber kennt, kann ohne Gefahr hundert Schlachten schlagen.
Wenn die Gesellschaft so fortfährt, wird in zweitausend Jahren nichts mehr da sein, kein Grashalm, kein Baum; sie wird die Natur aufgefressen haben.
— Gustave Flaubert
Der erste Seufzer der Liebe ist der letzte der Zurechnungsfähigkeit.
— Antoine Bret
Lobe den Brunnen, in den deine Schwiegermutter gefallen ist, aber schöpfe kein Wasser daraus
Im Prinzip bin ich ja nicht abergläubisch, aber wenn wir heute Freitag den 13. hätten, käme ich doch lieber ein andermal wieder.
— Alexander Puschkin
Unaufmersamkeit lässt das Schiff stranden.
Ein dummer Freund macht mehr Ärger als ein kluger Feind.
— Iwan Turgenjew
Ein jeder achte wohl darauf, welche Träume er im heimlichen Winkel seiner Seele hegt; denn wenn sie erst großgewachsen sind, werden sie leicht seine Herren!
— Gustav Freytag
Ungerechtfertigtes Lob kann Schwache gefährden, ungerechter Tadel auch Starke vom rechten Weg ableiten.
— Georg Ebers
Wer Dornen sät, darf sein Zelt nicht barfuß verlassen.
Niemals muss man gewissenhafter auf Posten stehen, als wenn der Feind so tut, als wolle er Frieden schließen; nie haben wir ihn weniger zu fürchten, als wenn er uns offen angreift.
— Erasmus von Rotterdam
Bedenkt auch, wie unberechenbar der Verlauf eines Krieges ist, bevor ihr euch noch in denselben einlasset.
— Thukydides
Liebe ist so ungefährlich wie ein Löffel Salzsäure auf nüchternen Magen.
— Charles Baudelaire
Durch Gefahren setzt ein großes Herz sich durch
— Jean Racine