Sprüche über Genuss
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Wahrer Genuss beginnt dort, wo der Augenblick nicht hastig verbraucht, sondern wirklich wahrgenommen wird. Er verbindet Sinne, Gegenwart und Dankbarkeit und macht aus etwas Gewöhnlichem oft eine Erfahrung von besonderer Dichte. Deshalb gehört dieses Thema zu den feinen Formen gelebter Lebenskunst.
Seine Würde liegt nicht im Übermaß, sondern im bewussten Erleben. Genuss setzt Offenheit voraus und zeigt, dass Reichtum oft weniger mit Besitz als mit der Fähigkeit zu tun hat, Schönes und Gutes wirklich aufnehmen zu können.
Lieber einen Darm im Leibe gesprengt, als dem Wirt einen Tropfen geschenkt.
Eier in der Pfanne geben Kuchen, aber keine Küken.
Die Sauce ist für die Kochkunst, was die Grammatik für die Sprache.
Es wird mit Recht ein guter Braten gerechnet zu den guten Taten, und daß man ihn gehörig mache, ist weibliche Charaktersache.
— Wilhelm Busch
Die Genußsucht frißt alles auf, am liebsten aber das Glück.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Wer keinen Wein trinkt, dem entgeht viel Genuß, wer aber den Wein falsch trinkt, verdirbt sich und anderen den Genuß.
— Joachim Ringelnatz
Es heisst, dass die Natur die Schweine geschaffen hat, damit wir schlemmen können.
Voller Bauch lobt das Fasten.
Die Zigarette ist das vollendete Urbild des Genusses: Sie ist köstlich und läßt uns unbefriedigt.
— Oscar Wilde
Jedem Genusse folgt sein Schatten, die Unlust.
— Nikolai Michailowitsch Karamsin
Genieße, was dir Gott beschieden; entbehre gern, was du nicht hast; ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Stand hat seine Last
— Christian Fürchtegott Gellert
Auf einen guten Bissen gehört ein guter Trunk.
Ist der Bauch satt, so ist das Herz froh.
Fortwährendem Entbehren folgt Stumpfheit ebenso wie übermässigem Genuss.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Wenn der Bauch voll ist, ist das Haupt blöde.
Treibe bei der Arbeit, aber nicht beim Essen.
Wo man isst, geh hinzu, wo man Geld zählt, geh hinweg
Wer ganz mit seinem Schmerz allein, der lernt den Schmerz genießen.
— August von Platen
Es ist besser, Genossenes zu bereuen, als zu bereuen, dass man nichts genossen hat.
— Giovanni Boccaccio
Junge Hähnchen, sanft gebraten, dazu kann man dringend raten.
— Wilhelm Busch