433 Sprüche — Seite 6
Zwischen dem, was erhofft wird, und dem, was sich tatsächlich zeigt, liegt die Wirklichkeit. Sie kann ernüchtern, berichtigen, trösten oder herausfordern und zwingt den Menschen dazu, Illusion und Wahrheit auseinanderzuhalten. Gerade deshalb ist dieses Thema nicht trocken, sondern voller Spannungen und tiefer Lebensfragen.
Ihr eigentliches Gewicht entfaltet sich dort, wo sie nicht nur als äußere Gegebenheit, sondern auch als innere Deutung erscheint. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, dass Wirklichkeit nie ganz unabhängig vom Blick des Menschen gedacht werden kann.
Für das praktische Leben ist das Genie so brauchbar wie ein Sternteleskop im Theater.
— Arthur Schopenhauer
Genaugenommen leben sehr wenige Menschen in der Gegenwart, die meisten bereiten sich vor, demnächst zu leben.
— Jonathan Swift
Bei Tage ist es kinderleicht, die Dinge nüchtern und unsentimental zu sehen. Nachts ist das eine ganz andere Geschichte.
— Ernest Miller Hemingway
Die Eltern wollen nie der Kinder Fehler erkennen.
— Konfuzius
Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen, dass die Dinge sind, wie sie sind
— Aristoteles
Kein Ding sieht so aus, wie es ist. Am wenigsten der Mensch, dieser lederne Sack voller Kniffe und Pfiffe.
— Wilhelm Busch
Klugheit und Güte ziehen es vor, ohne Maske aufzutreten.
— Arthur Schnitzler
Die Irreligiösen sind religiöser, als sie es selbst wissen, und die religiösen sind's weniger, als sie meinen
— Franz Grillparzer
Die Kinder sind die wirklichen Lehrmeister der Menschheit.
— Peter Rosegger
Wer sein Unwissenheit zugibt, zeigt sie einmal; wer sie zu verbergen sucht, zeigt sie viele Male.
Am meisten über einen Menschen sagt aus, wie er Leid und Krankheit trägt.
— Rainer Haak
Das lebendige Leben muß etwas unglaublich Einfaches sein. Und deshalb gehen wir an ihm vorüber, ohne es zu erkennen.
— Fjodor M. Dostojewski
Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das weiß, daß es sterben wird. Die Verdrängung dieses Wissens ist das einzige Drama des Menschen.
— Friedrich Dürrenmatt
Die Liebe ist blind, das ist die gemeine Rede, aber ist sie nicht im Gegenteil allein sehend?
— Friedrich Schleiermacher
Hochmut ist der zur Schau getragene Stolz. Echter Stolz verbirgt sich.
— Ernst Hohenemser
Man sollte beständig die Wirkung der Zeit und die Wandelbarkeit der Dinge vor Augen haben und daher bei allem, was jetzt stattfindet, sofort das Gegenteil imaginieren.
— Arthur Schopenhauer
Es ist besser, für das, was man ist, gehasst zu werden, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden!
— André Gide
Das Wunderbarste an den Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen.
— Gilbert Keith Chesterton
Es gibt keine reine Wahrheit, aber ebensowenig einen reinen Irrtum.
— Christian Friedrich Hebbel
Alles, was lediglich wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch.
— René Descartes