520 Sprüche — Seite 12
Was den Menschen über das bloß Gegebene hinausdenken lässt, wird seit jeher mit dem Geist verbunden. In ihm liegen Schärfe des Verstandes, schöpferische Vorstellung, Urteilskraft und jene Freiheit, die nicht nur reagiert, sondern entwirft. Darum ist dieses Thema von besonderer Tiefe für Kultur, Erkenntnis und Selbstverständnis.
Seine Größe zeigt sich nicht in Lautstärke, sondern in Klarheit, Weite und Unabhängigkeit des Denkens. Die Sprüche zu diesem Thema beleuchten Einsamkeit und Genialität, Bildung und Einbildung und machen deutlich, wie viel Verantwortung in geistiger Kraft liegen kann.
Es ist leichter, Liebhaber als Ehemann zu sein, weil es schwerer ist, alle Tage Geist zu haben, als von Zeit zu Zeit eine hübsche Bemerkung zu machen.
— Honoré de Balzac
Du hättest recht, wenn die Dummheit eine Geistesschwäche wäre. Leider ist sie aber eine furchtbare Stärke. Sie ist ein Fels, der unerschüttert dasteht, wenn auch ein Meer von Vernunft ihm seine Wogen …
— Johann Nepomuk Nestroy
Zweifel ist kein angenehmer geistiger Zustand, doch Gewissheit ist ein lächerlicher
— Voltaire
Bei jungen Frauen ersetzt die Schönheit den Geist, bei alten der Geist die Schönheit.
— Charles-Louis de Montesquieu
Die größte Sünde gegen den menschlichen Geist ist, Dinge ohne Beweis zu glauben
— Thomas Henry Huxley
Durch das Geld vernichtet die Demokratie sich selbst, nachdem das Geld den Geist vernichtet hat.
— Oswald Spengler
Nur wo Körper- und Geistestätigkeit in geordneter lebendiger Wechselwirkung stehen, ist wahres Leben.
— Friedrich Fröbel
Zu jeder Zeit liegen einige große Wahrheiten in der Luft; sie bilden die geistige Atmosphäre des Jahrhunderts.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Hundert Menschen schärfen ihren Säbel, Tausende ihre Messer, aber Zehntausende lassen ihren Verstand ungeschärft, weil sie ihn nicht üben.
— Johann Heinrich Pestalozzi
Schönheit des Körpers hat etwas Tierisches, wenn sie geistlos ist.
— Demokrit
Wohlbehagen ermattet den Geist, Schwierigkeiten erziehen und kräftigen ihn.
— Francesco Petrarca
Die Vögel verlassen die Erde mit ihren Flügeln. Auch die Menschen können die Erde verlassen, zwar nicht mit Flügeln, aber mit ihrem Geist.
Ein reger Geist ist wie ein rollender Schneeball.
Viele Spötter meinen, reich an Geist zu sein, und sind doch nur arm an Takt
— Georg Christoph Lichtenberg
Die Ehe sollte eine Frau nicht davon abhalten, ihrer geistigen Neigung zu folgen.
— John Knittel
Die Natur des Geistes ist so gearbeitet, dass uns der Wechsel meist mehr Erholung schafft als die Ruhe.
— Ernst von Feuchtersleben
Das Talent hat darin immer einen Vorsprung vor dem Genie, dass jenes andauert, dieses oft verpufft
— Karl Ferdinand Gutzkow
Ich würde lieber alle Fabeln der Legenden, des Talmud und des Koran glauben, als dass das Gefüge des Universums ohne einen Geist ist.
— Albert Camus
Im Feingefühl hat das Herz Geist.
— Sully Prudhomme
Jeder, der seinen Geist zeigen will, lässt merken, dass er auch reichlich vom Gegenteil hat
— Friedrich Nietzsche