529 Sprüche — Seite 20
Nichts Lebendiges bleibt auf Dauer unverändert, und doch wird Veränderung oft zugleich ersehnt und gefürchtet. Sie löst Vertrautes auf, eröffnet Neues und zwingt dazu, sich zu fragen, was bewahrt und was überwunden werden sollte. Deshalb gehört dieses Thema zu den bewegendsten Erfahrungen menschlichen Daseins.
Ihre eigentliche Kraft entfaltet sich dort, wo Wandel nicht bloß geschieht, sondern bewusst gestaltet wird. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Entwicklung und Verlust, Mut und Unsicherheit miteinander verbunden sind und warum jeder Neubeginn auch den Abschied von etwas Altem verlangt.
Wenn man die Gans zum Ganter setzt, so bleibt der Ganter der Mann, der es sein soll.
Ließe der Dieb das Stehlen, der Hund ließe sein Bellen.
Es ist nicht Not, dass man den Hund mit Bratwürsten werfe, solange man noch gute Bengel hat.
Das wär' das Rechte, dann kommst du vom Hund auf den Bettelsack.
Die Krähe läßt ihr hüpfen nicht.
Der Kuckuck behält seinen Gesang, die Glocke ihren Klang, der Krebs seinen Gang, Narr bleibt Narr sein Leben lang.
Je älter die Kuh, desto hübscher das Kalb.
Wenn Lämmer einmal neben Wölfen grasen, scheint eine andere Sonne.
Liebe macht Löffelholz aus manchem jungen Knaben stolz.
Vom Pferd auf den Esel.
Die Sau muss Haar lassen.
Wenn die Schwalben fortfliegen, bleiben die Spatzen hier.
Wenn die Schwalben fliegen, so bleiben hier die Fliegen.
Wenn der Storch die Erbsenstoppel sieht, jagt er die Jungen vom Neste.
Die Gedanken kommen wieder, die Überzeugungen pflanzen sich fort, die Zustände gehen unwiederbringlich vorüber.
— Johann Wolfgang von Goethe
Am Handel lernt man den Wandel.
Aus einer argen Hur wird selten ein gut Eheweib.
Wenn der Meister kommt heran, hat das Meisterchen getan.
Die Metzger sagen, es ist nichts mehr mit den Bauern zu machen, seit sie in der Bibel lesen und die Kinder selbst machen.
Der Mensch, der gleicht dem Aprilwetter, welches bald schön, bald wild, bald warm, bald kalt, bald trocken, bald naß, bald Sonne, bald Regen, bald Riesel, bald Schnee, bald Blumen, bald Klee.
— Abraham a Sancta Clara