Sprüche über Veränderung
529 Sprüche — Seite 27
Nichts Lebendiges bleibt auf Dauer unverändert, und doch wird Veränderung oft zugleich ersehnt und gefürchtet. Sie löst Vertrautes auf, eröffnet Neues und zwingt dazu, sich zu fragen, was bewahrt und was überwunden werden sollte. Deshalb gehört dieses Thema zu den bewegendsten Erfahrungen menschlichen Daseins.
Ihre eigentliche Kraft entfaltet sich dort, wo Wandel nicht bloß geschieht, sondern bewusst gestaltet wird. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Entwicklung und Verlust, Mut und Unsicherheit miteinander verbunden sind und warum jeder Neubeginn auch den Abschied von etwas Altem verlangt.
Wenn plötzlich in der Menschheit Vernunft einkehrte, so würde in allen ihren Dingen die größte Revolution eintreten, welche sie je gesehen hätte.
— August Pauly
Wir nennen es Helligkeit, wenn uns mit dem Aufgang der Sonne das Nahe sichtbar gemacht und die Sterne verfinstert werden.
— August Pauly
Jedes Alter hat seine Vergnügungen, seinen Geist und seine Sitten.
— Nicolas Boileau-Despreaux
Möglichst viele Leiden kraftvoll in Freuden zu verwandeln, das ist das rechte Mitleid.
— Friedrich Lienhard
Ist dir's in deiner Ecke zu eng, so schüttle ab alles, was dich beengt, wandre, werde, was du werden magst und kannst – wenn nur dein Ich, deine Persönlichkeit, der Kern deines Wesens zur Erblühung ko …
— Friedrich Lienhard
Eine Idee, welche immer dieselbe bleibt und doch tausend verschiedene Gestalten annimmt, ermüdet zugleich durch ihre Lebendigkeit und ihre Eintönigkeit.
— Germaine Madame de Stael
Wir können der Wirklichkeit nicht habhaft werden. Sie muss gestutzt, gekürzt, geknetet, ja, sie muss umgeglüht werden, und der Ofen, in dem die Umglühung vorgenommen wird, ist die Phantasie.
— Jakob Wassermann
Es ist nötig, dass wir den Schwerpunkt des Lebens in unser Inneres verlegen.
— Jakob Wassermann
Die Zeit mildert viel, macht aber nichts ungeschehen
— Karl Detlef, Pseudon.v. Klara Bauer
Sterben ist eine wilde Nacht und ein neuer Weg.
— Emily Elizabeth Dickinson