514 Sprüche — Seite 27
Der Wunsch nach Anerkennung begleitet den Menschen weit tiefer, als es äußere Höflichkeit vermuten lässt. Gesehen, gewürdigt und im eigenen Bemühen ernst genommen zu werden, gehört zu den stillen Bedürfnissen jeder Person. Darum berührt dieses Thema Selbstwert, Leistung und zwischenmenschliche Gerechtigkeit zugleich.
Ihre Ambivalenz zeigt sich darin, dass Anerkennung stärken kann, aber nicht zum einzigen Maßstab eines Lebens werden darf. Die Sprüche zu diesem Thema fragen nach echtem Verdienst, nach äußeren Urteilen und innerer Unabhängigkeit und machen sichtbar, wie fein die Grenze zwischen Würdigung und Abhängigkeit verläuft.
Ich möchte gern sehr berühmt aber unerkannt bleiben.
— Edgar Degas
Kein Mann ist so frei von Eitelkeit, dass der Beifall, den die Geliebte erntet, sein Gefühl nicht höher stimmt.
— Karl Detlef, Pseudon.v. Klara Bauer
Eine Dame, die den Mut hat, eine glänzende Bewerbung zurückzuweisen, verdient die höchste Achtung, es beweist, dass sie wahr und ohne Berechnung ist.
— Karl Detlef, Pseudon.v. Klara Bauer
Die Menschen kann man leicht verachten, aber nicht ihre Achtung entbehren.
— Karl Detlef, Pseudon.v. Klara Bauer
Adelig und edel sind zweierlei.
Geloben ist adelig, halten bäuerisch.
Die Söhne sind adeliger denn die Väter, denn sie haben ein Glied mehr.
Wem viel befohlen ist, von dem wird viel gefordert.
Wer zu Ehren kommen will, muss zuvor leiden.
Ehrbar und fromm dringt durch die Wolken, das andre muss zurück bleiben
Wer ehrlich ist, braucht nicht viel Heimlichkeit
Wer sich ehrlich will ernähren, braucht viel flicken und wenig zehren
Die auf der fliehenden Seite haben nie gesiegt
Kein Flüchtiger wird gekrönt
Wer flieht, gibt sich schuldig
Adel hat kein Erbrecht.
Wer tun will, was allen gefallt, muss Atem haben warm und kalt.
Wer allen dient, macht sich keinem verbindlich.
Man soll niemand seine erste Bitte abschlagen.
In Komplimenten ist Sparsamkeit höflich.