492 Sprüche — Seite 14
Kaum ein Gefühl flammt so schnell auf und hinterlässt doch oft so lange Schatten wie der Ärger. Er entsteht aus Kränkung, Enttäuschung, Ungeduld oder dem Eindruck, übergangen zu werden, und verrät damit viel über Erwartungen und Empfindlichkeit. Gerade deshalb ist er nicht nur lästig, sondern auch aufschlussreich für das eigene Innenleben.
In ihm zeigt sich, wie schmal der Abstand zwischen verletztem Stolz und berechtigtem Unmut sein kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben diesem aufgewühlten Zustand eine prägnante Sprache und erinnern daran, dass Ärger zwar menschlich ist, aber nicht jedes letzte Wort behalten sollte.
Sei doch zu groß, um von jeder Kleinigkeit beleidigt zu werden!
— Alexander Pope
Durch Eintracht wachsen kleine Dinge, durch Zwietracht zerfallen die größten.
— Sallust
Den Esel meint man, den Sack schlägt man
Wenn jemand sagt: Ich bin glücklich, so meint er damit ganz einfach: Ich habe zwar Ärger, aber der lässt mich kalt.
— Jules Renard
Zorn und Hass sind schlechte Ratgeber.
Erscheint dir etwas unerhört, bist du im tiefsten Herzen empört, bäume dich nicht auf, versuch's nicht im Streit, berühr es nicht, überlaß es der Zeit: Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter, Zeit …
— Theodor Fontane
Das zweite Wort macht den Streit.
Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.
— Christian Johann Heinrich Heine
Überall, wo Zwist herrschen kann, da muss es auch eine Entscheidung geben.
— Dante Alighieri
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
— Friedrich von Schiller
Eine Wolke kann die ganze Sonne verdunkeln. Es gibt keine Sonne ohne Schatten.
Mit Offenheit verschließt man sich leicht alle Türen.
— Paul Johann Ludwig von Heyse
Das harte Wort schmerzt immer, sei's auch ganz gerecht.
— Sophokles
Jeder von uns ist sein eigener Teufel, und wir machen uns diese Welt zur Hölle.
— Oscar Wilde
Es ist lästig, bei selbstverständlichen Dingen noch Beweise zu liefern.
— Dante Alighieri
Wenn einer, der dich hat gekränkt, zaghaft die Schritte zu dir lenkt. So sage ihm kein Donnerwetter, verzeihe ihm, das ist viel netter.
Frauen trösten uns über jeden Kummer hinweg, den wir ohne sie nicht hätten.
— Jean Anouilh
Das ist die undankbare Stellung des Vaters in der Familie. Aller Versorger, aller Feind.
— August Strindberg
Des Tages Glück, des Tages Harm, des Lebens ungewisse Ferne - wie wird dies alles klein und arm, hält man's ins Licht der Sterne!
— Ludwig Pfau
Man vergißt vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergißt niemals, wo das Beil liegt.
— Mark Twain