492 Sprüche — Seite 29
Kaum ein Gefühl flammt so schnell auf und hinterlässt doch oft so lange Schatten wie der Ärger. Er entsteht aus Kränkung, Enttäuschung, Ungeduld oder dem Eindruck, übergangen zu werden, und verrät damit viel über Erwartungen und Empfindlichkeit. Gerade deshalb ist er nicht nur lästig, sondern auch aufschlussreich für das eigene Innenleben.
In ihm zeigt sich, wie schmal der Abstand zwischen verletztem Stolz und berechtigtem Unmut sein kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben diesem aufgewühlten Zustand eine prägnante Sprache und erinnern daran, dass Ärger zwar menschlich ist, aber nicht jedes letzte Wort behalten sollte.
Wenn das Feuer in der Küche ausgeht, so löscht es auch in den Herzen aus.
Wo man mit Feuerbränden wirft, da bläst der Teufel in die Asche
Wer seine Finger in alle Löcher steckt, der zieht sie oft übel heraus.
Wenn zwei Frauen zusammenkommen, wird die dritte in die Hechel genommen
Ein Haus, in dem zwei Frauen sind, wird nicht rein gefegt
Wer einen Fuß im Frauenhaus hat, der hat den anderen im Spital
Wer eilt nach fremden Gut, auf den wartet Armut
Wer nach fremdem Gute trachtet, der verliert mit Recht das seine
An fremden Hunden und Kindern ist das Brot verloren
Wer Frieden haben will, muss zum Kriege rüsten
Ein Nein zur rechten Zeit erspart viel Widerwärtigkeit.