575 Sprüche — Seite 10
Lange bevor Handlungen sichtbar werden, nehmen Gedanken bereits Gestalt im Inneren an. Sie ordnen Wahrnehmung, nähren Hoffnung, vergrößern Angst oder eröffnen neue Möglichkeiten und prägen damit still, aber nachhaltig das Leben eines Menschen. Darum zählt dieses Thema zu den grundlegendsten Feldern jeder Selbsterkenntnis.
In ihnen entscheidet sich oft, wie Wirklichkeit gedeutet und Zukunft entworfen wird. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie mächtig das Denken sein kann und warum Klarheit, Sammlung und innere Wachheit nicht bloß geistige Tugenden, sondern Voraussetzungen eines bewussten Lebens sind.
Und doch ist selbst die größte Sammlung des Weltgeistes, das Zusammentragen der wichtigsten Gedankengüter, nur ein lächerlicher Ausschnitt aus der Unendlichkeit des Geistes selber. Also bedenke in Dem …
— Nikolaus von Kues
Um einen falschen Gedanken mit Erfolg zu widerlegen, muss man bekanntlich ein ganzes Buch schreiben, und den, der den Ausspruch getan hat, überzeugt man doch nicht.
— Otto von Bismarck
Man ist verloren, wenn man zu viel Zeit bekommt, an sich zu denken.
— Georg Christoph Lichtenberg
Die dünnen Falten, die sich in die Stirn der Denker fressen, bekamen nicht selten ihre Nahrung durch den Zweifel.
— Christa Schyboll
Das Beste im Menschen sind seine jungen Gefühle und seine alten Gedanken.
— Joseph Joubert
Die Empfindungen sind die Vokale, die Gedanken die Konsonanten der Sprache des Inneren
— Franz Grillparzer
Die echte Freiheit ist nicht eine Freiheit von etwas, sondern eine Freiheit zu etwas.
— Johann Heinrich Pestalozzi
Pflanz einen Baum; und kannst du auch nicht ahnen, wer einst in seinem Schatten tanzt, bedenke, Freund: es haben unsere Ahnen, ehe sie dich kannten, auch für dich gepflanzt.
Das Dogma ist nichts anderes als ein ausdrückliches Verbot zu denken
— Ludwig Andreas Feuerbach
Die meisten Männer heiraten aus Gedankenlosigkeit, wie sie aus Gedankenlosigkeit Kriege führen.
— Henry de Montherlant
Keiner kann einen Körper frisch und schön erhalten, wenn er sich von ausgelaugten Gedanken nährt.
— Prentice Mulford
Man lasse den guten Gedanke nur den Plan frei: sie werden kommen.
— Arthur Schopenhauer
Die Gedanken, die am öftesten gedacht werden, materialisieren sich auch am stärksten im Organismus.
— Prentice Mulford
Furcht ist nur ein anderer Name für die Unfähigkeit, die Entstehung von Gedanken zu beherrschen.
— Prentice Mulford
Die Aufrichtigkeit ist - mindestens nach meiner Ansicht - die erste Bedingung jedes geistigen Schaffens.
— Sully Prudhomme
Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken, durch der Jahrhunderte Strom trägt ihn das redende Blatt.
— Friedrich von Schiller
Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Die auserwählten Leser haben immer geistige Tendenzen, die denen ihrer Zeit entgegengesetzt sind.
— Honoré de Balzac
Deutlichkeit erspart Längen und kann Gedanken beweisen.
— Marquis de Vauvenargues
Pessimisten sind die wahren Lebenskünstler, sie erleben dauernd angenehme Überraschungen.
— Marcel Proust