575 Sprüche — Seite 29
Lange bevor Handlungen sichtbar werden, nehmen Gedanken bereits Gestalt im Inneren an. Sie ordnen Wahrnehmung, nähren Hoffnung, vergrößern Angst oder eröffnen neue Möglichkeiten und prägen damit still, aber nachhaltig das Leben eines Menschen. Darum zählt dieses Thema zu den grundlegendsten Feldern jeder Selbsterkenntnis.
In ihnen entscheidet sich oft, wie Wirklichkeit gedeutet und Zukunft entworfen wird. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie mächtig das Denken sein kann und warum Klarheit, Sammlung und innere Wachheit nicht bloß geistige Tugenden, sondern Voraussetzungen eines bewussten Lebens sind.
Wer nicht auf seine Weise denkt, denkt überhaupt nicht.
— Oscar Wilde
Nur das Genie hat für den neuen Gedanken auch das neue Wort.
— Christian Johann Heinrich Heine
Denn vor dem Beginnen ist Überlegung notwendig, nach der Überlegung jedoch rasches Handeln.
— Sallust
Gedanken, die schockweise kommen, sind Gesindel. Gute Gedanken erscheinen in kleiner Gesellschaft. Ein göttlicher Gedanke kommt allein.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Es ist falsch, zu sagen: Ich denke. Es müsste heißen: Man denkt mich
— Arthur Rimbaud
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.
— Johann Wolfgang von Goethe
Leichter trägt, was er trägt, wer Geduld zur Bürde legt
— Friedrich von Logau
Lieber eine Stunde über Geld nachdenken, als eine Stunde für Geld arbeiten.
— John D. Rockefeller
Einer zeugt den Gedanken, der andere hebt ihn aus der Taufe, der dritte zeugt Kinder mit ihm, der vierte besucht ihn am Sterbebett, und der fünfte begräbt ihn.
— Georg Christoph Lichtenberg
Die Poesie ist dem Gedanken, was für den Körper die Seele bedeutet
— Alexandre Vinet
Es trocknen in der Einsamkeit die Säfte des Gemütes, es stockt der Gedankenlauf, ich muß hinaus in mancherlei Gemeinschaft mit andern Geistern.
— Friedrich Schleiermacher
Beginne jeden Tag mit einem guten Gedanken.
— Carl Hilty
Der Gedanke legt den Grund für die Tat.
— Helmuth James Graf von Moltke
Welcher Autor darf sagen, dass der Gedanke an die Oberflächlichkeit der meisten Leser ihm stets ein peinlicher und nicht mitunter auch ein tröstlicher sei?
— Marie von Ebner-Eschenbach
Das Wort ist die Entschuldigung des Gedankens.
— Jules Renard
Die Welt ist ein Sardellensalat; er schmeckt uns früh, er schmeckt uns spat.
— Johann Wolfgang von Goethe
Die Menschen sollen nicht so viel nachdenken, was sie tun sollen, sie sollen vielmehr bedenken, was sie sind.
— Eckhart von Hochheim
Witz tötet, Humor macht lebendig! Er führt zum Nachdenken, während jener alles Denken wie durch einen scharfen Blitz beendet.
— Georg Christoph Lichtenberg
Jede Leidenschaft, die Raum zum Genießen und Nachdenken läßt, ist keine starke Leidenschaft.
— Michel de Montaigne
Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mi …
— Immanuel Kant