575 Sprüche — Seite 6
Lange bevor Handlungen sichtbar werden, nehmen Gedanken bereits Gestalt im Inneren an. Sie ordnen Wahrnehmung, nähren Hoffnung, vergrößern Angst oder eröffnen neue Möglichkeiten und prägen damit still, aber nachhaltig das Leben eines Menschen. Darum zählt dieses Thema zu den grundlegendsten Feldern jeder Selbsterkenntnis.
In ihnen entscheidet sich oft, wie Wirklichkeit gedeutet und Zukunft entworfen wird. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie mächtig das Denken sein kann und warum Klarheit, Sammlung und innere Wachheit nicht bloß geistige Tugenden, sondern Voraussetzungen eines bewussten Lebens sind.
Zahlen sind Symbole des Vergänglichen.
— Oswald Spengler
Obgleich die Welt ja, sozusagen, wohl manchmal etwas mangelhaft, wird sie doch in den nächsten Tagen vermutlich noch nicht abgeschafft.
— Wilhelm Busch
Ernüchternde Gedanken sind in manchen Fällen vergleichbar mit Drogenentzug.
— Christa Schyboll
Man kann nicht denken, wenn man es eilig hat.
— Platon
Phantasie ist die Fähigkeit, in Bildern zu denken.
— Ernst Hohenemser
Hab‘ Sonne im Herzen und Pizza im Bauch, denn dann bist du glücklich, und satt bist du auch!
Wir leben in einem Zeitalter, in dem die überflüssigen Ideen überhand nehmen und die notwendigen Gedanken ausbleiben
— Joseph Joubert
Ich habe so selten einmal Zeit zum Träumen und doch so viele Träume
— Franziska Gräfin zu Reventlow
Die unzureichende Sinneswahrnehmung widerlegt die Unendlichkeit nicht.
— Giordano Bruno
Wollt ihr klar und richtig denken? Wollt ihr wahr und überzeugend sprechen? Sprechet und denket mit eurem Herzen!
— Niccolò Tommaseo
In den Gedanken ist mehr Wirklichkeit als in den Dingen.
— Gustave Flaubert
Das Leben ist eine Kette von Vergessenheiten.
— Honoré de Balzac
Selbst im Fall einer Revolution würden die Deutschen sich nur Steuerfreiheit, nie Gedankenfreiheit zu erkämpfen suchen.
— Christian Friedrich Hebbel
Du triffst Vorsorge für das Alter, damit dem Körper nichts fehle. Solltest du dir nicht Gedanken darüber machen, ob der Seele etwas fehlt?
— Erasmus von Rotterdam
Je mehr Gedankenstriche in einem Buch, desto weniger Gedanken.
— Arthur Schopenhauer
Erstaunlich, dass der Mensch nur hinter einer Maske ganz er selbst ist.
— Edgar Allan Poe
Junge Leute tragen im Geistigen oft eine Perücke, aber aus eigenem Haar.
— Hugo von Hofmannsthal
Wer heute einen Gedanken sät, erntet morgen die Tat, übermorgen die Gewohnheit, danach den Charakter und endlich sein Schicksal.
— Gottfried Keller
Die Gedanken eines Menschen sind sein Königreich.
So sind die Gedanken. Sie laufen lustig voraus wie Hündchen. Ich habe zwei. Eins heißt „Wer weiss“, das andere „Kann sein“
— Wilhelm Busch