Sprüche über Arbeit
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Mehr als Pflicht, Broterwerb oder bloße Beschäftigung ist Arbeit eine Form, Spuren in der Welt zu hinterlassen. In ihr zeigen sich Ehrgeiz, Können, Ausdauer und die Frage, ob Mühe nur belastet oder auch Sinn stiftet. Deshalb berührt dieses Thema den Alltag ebenso wie das Selbstbild eines Menschen.
Sein Gewicht erhält es dort, wo Tun und Haltung miteinander verbunden sind. Die Sprüche über Arbeit handeln von Fleiß und Berufung, von Last und Erfüllung und von jener stillen Würde, die entsteht, wenn aus Anstrengung nicht bloß Ergebnis, sondern auch Charakter wächst.
Wer die Zeit der Saat verschläft, braucht in der Ernte nicht zu schwitzen.
Wer auf den Wind achtet, der säet nicht, wer auf die Wolken sieht, erntet nicht.
Sobald das Unkraut ist zu seh'n, musst du ihm schon zu Leibe geh'n.
Soll sich lohnen deine Müh', halt' junge Hennen, alte Küh'.
Arbeit gern und sei nicht faul, Gebratenes fliegt nicht ins Maul.
Ein Mann ist das Kind seiner Werke.
Arbeit ist des Blutes Balsam, Arbeit ist der Tugend Quelle.
— Johann Gottfried Herder
Tu, was du kannst und lass das andre dem, der's kann, zu jedem Werk gehört ein ganzer Mann. Zwei Hälften machen zwar ein Ganzes, aber merk: aus halb und halb getan entsteht kein ganzes Werk.
— Friedrich Rückert
Wer die Arbeit liebt und sparsam zehrt, der sich in aller Welt ernährt.
Wer schießen soll, muss laden, wer arbeiten soll, muss essen.
Zuviel Arbeiter richten wenig aus.
Man ruft den Esel nicht zu Hofe, denn dass er Säcke trage.
Wer sich zum Esel macht, der muss Säcke tragen.
Viel Säcke sind des Esels Tod.
Wenn der Esel in die Mühle kommt, so sagt er i-ah.
Besser Esel treiben als selber Säcke tragen.
Wenn der Esel nicht will, so muss er.
Der Esel trägt das Korn in die Mühle und bekommt Disteln.
Eselsarbeit und Zeisigsfutter ist des Überdrusses Mutter.
Ein Esel sollte immer auf der Weide sein, denn wo er frißt, da wächst es, wo er sch-, da düngt er's, wo er seicht, da wässert er's und wo er sich wälzt, da zerbricht er die Schollen.