971 Sprüche — Seite 46
Mehr als Pflicht, Broterwerb oder bloße Beschäftigung ist Arbeit eine Form, Spuren in der Welt zu hinterlassen. In ihr zeigen sich Ehrgeiz, Können, Ausdauer und die Frage, ob Mühe nur belastet oder auch Sinn stiftet. Deshalb berührt dieses Thema den Alltag ebenso wie das Selbstbild eines Menschen.
Sein Gewicht erhält es dort, wo Tun und Haltung miteinander verbunden sind. Die Sprüche über Arbeit handeln von Fleiß und Berufung, von Last und Erfüllung und von jener stillen Würde, die entsteht, wenn aus Anstrengung nicht bloß Ergebnis, sondern auch Charakter wächst.
Mit unwilligen Rossen ist nicht gut zu Acker fahren.
Man soll die Schafe scheren, aber nicht rupfen.
Wer die Schafe schiert, dem wird die Wolle.
Spatzenarbeit - Finkenlohn.
Kleinvieh macht auch Mist.
Gibst du deinem Vieh, so gibt es dir wieder.
Ein schlechtes Handwerk, das seinen Meister nicht nährt.
Es ist ein gut Handwerk, es lohnt aber übel.
Seines Handwerks soll sich niemand schämen.
Wer viel Handwerke zugleich lernt, der lernt selten eins wohl.
So weit Handwerksgewohnheit geht, so weit kann sich ein Handwerksmann helfen.
Man muss dem Hobel nicht zu viel Eisen geben.
Nicht jeder, der jagt, hat Waidmannsglück.
Jagen und nicht fangen macht verdrossene Jäger.
Nasse Jäger, trockene Fischer, schlecht Geschäft.
Ein guter Jäger lässt sich nicht aufs Rohr sehen.
Jeder Kaufmann lobt seine Ware.
Er ist kein Kaufmann, er bietet die Hälfte.
Wen der Kellner liebt, der trinkt oft.
Betrug ist der Krämer Acker und Pflug.