Sprüche über Natur
770 Sprüche — Seite 49
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Gott hat die lichte, mit Sonne geschmückte Hälfte seines großen Mantels von der Erde hinweggezogen, und mit der andern schwarzen Hälfte, worin Mond und Sterne gestickt sind, das Gehäuse der Welt umhän …
— Wilhelm Heinrich Wackenroder
Das Wandern und Schweifen ist eine grund- und tiefdeutsche Eigenschaft. Immerfort sind sie unterwegs. Kärrner, Kaufleute, Künstler, Dichter, Mädchen und Knaben.
— Jakob Wassermann
Ein Unkraut ist nichts anderes als eine ungeliebte Blume.
— Ella Wheeler Wilcox
Alle Lebewesen erscheinen mir gleich unglücklich, vom Engel bis zur Auster. Das Übel ist, geboren zu sein.
— Marie de Vichy-Chamrond (M. du Deffand)
Ein Baum, der umfällt, macht mehr Lärm, als ein ganzer Wald, der wächst
Es ist gut, wenn wir uns erinnern, dass das Universum – mit einer kleinen, unscheinbaren Ausnahme – sich aus den anderen zusammensetzt.
— Oliver Wendell Holmes
Die Kirche sagt: Die Erde ist eine Scheibe. Ich aber weiß, dass sie rund ist, da ich ihren Schatten auf dem Mond gesehen habe; und ich habe mehr Vertrauen in einen Schatten, als in die Kirche.
— Ferdinand Magellan
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber ein Kamel macht eine Wüste!
— Alfred Capus
Wenn es im Süden einen Lügner gibt, so gibt es einen einzigen: die Sonne. Was sie beleuchtet wird übergroß.
— Alphonse Daudet
Die Formen der Natur sind nur ein Wörterbuch, in dem der Künstler nachschlägt, um seine eigenen Vorstellungen zu verstärken.
— Ferdinand Victor Eugene Delacroix
Die Natur bedarf keiner Erläuterung; um ihre Schönheit zu verstehen, genügt ein offener Blick und ein empfängliches Gemüt.
— Karl Detlef, Pseudon.v. Klara Bauer
Raubvögel singen nicht.
Eine toten Löwen kann man leicht prügeln.
Schöne Äpfel sind auch wohl sauer.
Wer dem Bächlein nachgeht, kommt zu dem Brunnen.
Viele Bächlein machen auch einen Strom.
Auch ein guter Baum bringt ungleiches Obst.
Man ehrt den Baum des Schattens wegen.
Es ist kein Baum, der nicht zuvor ein Sträuchlein gewesen.
Wenn die Birne reif ist, fällt sie vom Baum.