770 Sprüche — Seite 70
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Blüh'n die Disteln reich und voll, ein schöner Herbst dir blühen soll.
Blüte schnell und ohne Regen, verspricht beim Obste großen Segen.
Nun fängt das Laub zu stehen an, die Vögel haben das Legen getan.
Frißt der Hund viel grünes Gras, gibt es bald von oben was.
Rüttelt der Orkan am Haus hängt man keine Wäsche raus!
Der Nebel, wenn er steigend sich erhält, bringt Regen, doch klar Wetter wenn er fällt.
Der Winter bringt zweierlei auf einmal: weiße Tage und schwarze Nächte.
Der Hund, dem man einen Maulkorb anlegt, bellt mit dem Hintern.
— Christian Johann Heinrich Heine
Die Katze schmeichelt uns nicht, sie lässt sich von uns schmeicheln.
— Antoine de Rivarol
Setz einen Frosch auf einen weißen Stuhl, er hüpft doch wieder in den schwarzen Pfuhl.
— Wilhelm Müller
Auch der größte Hund war einmal ein Welpe
— Joaquin Miller
Disteln sind dem Esel lieber als Rosen