770 Sprüche — Seite 6
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Säen am 1. April, verdirbt den Bauern mit Stumpf und Stiel.
Luft und Licht sind die Liebhaber der Blumen, aber das Licht ist der Begünstigte. Zum Licht wenden sie sich, verschwindet es, so rollen sie ihre Blätter zusammen und schlafen in der Umarmung der …
— Hans Christian Andersen
Schlägt der Blitz den Bauer tot, spart sein Weib ein Abendbrot.
Fällt der Bauer nachts vom Dach wird sogar die Bäurin wach.
Wo Du eine Rose züchtest, mein Freund, kann keine Distel wachsen.
— Frances Hodgson Burnett
Auf einen dunklen Dezember folgt ein fruchtbares Jahr.
Am Regenbogen muss man nicht Wäsche aufhängen wollen.
— Johann Peter Hebel
Vergolde den Vögeln die Flügel, und sie werden nie mehr fliegen.
Wenn's am Ulrichstag donnert, fallen die Nüsse vom Baum. (04. Juli)
Goldene Zügel machen ein Pferd nicht besser.
— Seneca
Gewitter im Mai bringen Früchte herbei.
Laubfall an Leodegar, kündigt an ein fruchtbar Jahr. (02. Okt.)
Der Hahn sitzt auf der Krähe, weil kein Huhn in seiner Nähe
Fliegen die Schwalben in den Höh'n, kommt ein Wetter, das ist schön.
Ackert der Bauer splitternackt, die Magd ein starker Brechreiz packt.
Kocht die Bäuerin faule Eier, kotzt der Bauer wie ein Reiher!
Wenn es auf die Felder nieselt, der Bauer wohl vom Traktor pieselt.
Schaue zum Himmel, wenn du den Mond sehen willst, und nicht in den Teich.
Nur die Natur tut Großes umsonst.
— Alexander Herzen
Ist die Frau weniger wert als der Mann? Wer diese Frage beantwortet, muss auch sagen, ob Feuer mehr wert ist als Wasser.
— Carl Ludwig Schleich