770 Sprüche — Seite 53
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Auch wenn der Spatz klein ist, hat er doch alle lebenswichtigen Eingeweide.
Es ist nicht kalt, wenn es schneit, es ist nur kalt, wenn es taut.
Der Löwe stößt seine Jungen ins Tal hinab.
Auch die Fische des Königs haben Gräten
Pflanzendüfte sind wie Musik für unsere Sinne.
Einen bösen Ast soll man leiden des Baumes willen.
Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten.
Krumme Bäume tragen so viel Obst als die geraden.
Große Bäume tragen mehr Schatten als Früchte.
Man muss um e i n e s Baumes willen nicht gleich den ganzen Wald ausrotten.
Ist die Blüte abgefallen, so haut man darum den Baum nicht um.
Der Kalendermacher macht den Kalender, aber unser Herrgott das Wetter.
Wenn's dem Herrn Christus ins Grab regnet, gibt's einen trockenen Sommer.
Den Sommer schändet kein Donnerwetter
Im Düstern ist gut flüstern, aber nicht gut Flöhe fangen.
Wenn der Wind in einen Haufen Federn stößt, so sind sie bald zerstreut
Die Blume macht den Garten, nicht der Zaun
Wo Aas ist, da sammeln sich die Adler.
Adler fängt nicht Fliegen.
Ich rede von Enten, und du antwortest mir von Gänsen.