Sprüche über Schwäche
733 Sprüche — Seite 11
Was im ersten Blick nach Mangel aussieht, gehört oft auf tiefere Weise zum Menschlichen dazu. Schwäche macht verletzlich, begrenzt den Anspruch an sich selbst und zwingt dazu, ohne Maske auf die eigenen Grenzen zu sehen. Gerade deshalb ist dieses Thema nicht nur unerquicklich, sondern oft der Anfang von Einsicht und Milde.
In ihr zeigt sich, ob Demut entsteht oder Bitterkeit, ob Rückzug folgt oder Reifung. Die Sprüche zu diesem Thema machen deutlich, dass Schwäche nicht bloß das Gegenteil von Stärke ist, sondern auch jene Erfahrung, aus der Verständnis, Geduld und echte innere Festigkeit erwachsen können.
Zwei Schwächen, die sich gegeneinander lehnen, machen eine Stärke.
— Leonardo da Vinci
Die Krankheit ist ein Hindernis für den Körper, nicht für den Willen, sofern dieser es nicht selbst so will.
— Epiktet
Nach den Jahren der Last kommt die Last der Jahre
— Johann Wolfgang von Goethe
Eine Autobiographie zeigt üblicherweise nichts Schlechtes vom Schreibenden, nur sein schlechtes Gedächtnis.
— Franklin P. Jones
Die Herren dieser Art blend't oft zu viel Licht, sie seh'n den Wald vor lauter Bäumen nicht.
— Christoph Martin Wieland
Schnell wachsende Keime welken geschwinde, zu lange Bäume brechen im Winde.
— Wilhelm Busch
Versuche nie vor etwas die Flucht zu ergreifen. Ein Mensch, der die Flucht ergreift, ist ein Drückeberger. Und ein Drückeberger kommt nie von etwas los.
— John Steinbeck
Keine Regierung und keine Bataillone vermögen Recht und Freiheit zu schützen, wo der Bürger nicht imstande ist, selber vor die Haustüre zu treten und nachzusehen, was es gibt
— Gottfried Keller
Die schlechten Gewohnheiten wollen wir wie minderwertige Menschen, die uns lange Zeit schwer geschädigt haben, endgültig vertreiben.
— Epikur
An alten Bäumen hämmert der Specht am meisten.
— Wilhelm Busch
Die Gebrechlichen haben oft Fertigkeiten, deren ein ordentlich gebauter Mensch wohl nicht unfähig, doch zu erlernen nicht entschlossen genug ist.
— Georg Christoph Lichtenberg
Der Blick des Verstandes fängt an scharf zu werden, wenn der Blick der Augen an Schärfe verliert.
— Platon
Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt,und einem solochen Gebrechen ist leider gar nicht abzuhelfen.
— Immanuel Kant
Menschen gleicher Gesinnung suchen einander, Menschen mit gleicher Krankheit bedauern einander.
Schlechte Bücher taugen auch guten zu der Gegenprobe: Finst'res macht, dass jedermann desto mehr das Lichte lobe.
— Friedrich von Logau
Menschen, die der Versuchung widerstehen, verschieben nur ihre Kapitulation auf morgen.
— Charles de Talleyrand
Kraft erschöpft sich — du spürst es, wenn du sie verbraucht.
— Else Pannek
Man fällt nicht über seine Fehler! Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen.
— Kurt Tucholsky
Wer den Menschen verachtet, ist kein großer Mensch.
— Marquis de Vauvenargues
Wer stärker liebt, ist immer der Schwächere
— Eleonora Duse