869 Sprüche — Seite 21
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Die Sehnsucht des Schwans ist dem Finken fremd.
Es gibt Gänse, die einen Fuchs zur Strecke bringen
Das letzte Wort über die Wunder des Hundes ist noch nicht geschrieben.
— Jack London
Junge Elster lernt ihr Hüpfen von der alten.
Ein gewöhnlicher Verstand ist wie ein schlechter Jagdhund, der die Fährte eines Gedankens schnell annimmt und schnell wieder verliert.
— Hugo von Hofmannsthal
Ein blindes Huhn findet auch ein Korn
Lieber träumen unter Bäumen, als schaffen unter Affen!
Sobald die Frau aus dem Mann einen Esel gemacht hat, redet sie ihm ein, er sei ein Löwe mit eisernem Willen.
— Honoré de Balzac
Die Lieb ist süß wie würziger Rosenduft, der unsichtbar beseelt die warme Luft und trunken macht die honigdurstigen Bienen. Doch Lieb ist kurz auch wie der Rose Tag, der schneller endet als der sü …
— Wolfgang Menzel
Kein Fisch ohne Gräte, kein Mensch ohne Fehler.
Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch - ein Seil über einem Abgrund.
— Friedrich Nietzsche
Hungrige Fliegen stechen übel.
Bellet ein Hund, so klaffen sie alle.
Hunde, die einen Braten gerochen haben, wollen ihn auch gerne belecken.
Zwei Pferde, ein Kutscher, vier Bestien.
Fuchsschwänzer sind dem Herren lieb, stehlen doch mehr als ein Dieb.
Wie hoch auch ein Vogel fliegen mag, seine Nahrung sucht er auf der Erde.
Der Fuchs weiß viel, doch der ihn fängt, weiß mehr.
Läßt sich die Katze streicheln, ist sie schon mehr bei Leuten gewesen.
Alte Geiß leckt auch gern Salz.