869 Sprüche — Seite 3
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Wer dem Tiger das Glöckchen umgebunden hat, der soll es auch wieder losbinden.
Du kannst nicht die eine Hälfte eines Huhnes zum Kochen und die andere zum Eierlegen nehmen
Jeder Esel hat mehr Freunde als der Fuchs.
Es genügt nicht, nur fleißig zu sein - das sind die Ameisen. Die Frage ist vielmehr: wofür sind wir fleißig?
— Henry David Thoreau
Wo immer ein Tier in den Dienst des Menschen gezwungen wird, gehen die Leiden, die es erduldet, uns alle an.
— Albert Schweitzer
Goldene Zügel machen ein Pferd nicht besser.
— Seneca
Das Leben und dazu eine Katze - das ergibt eine unglaubliche Summe.
— Victor-Marie Hugo
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter nicht. Wenn der Hahn kräht auf dem Huhn, hat das mit dem Wetter nichts zu tun
Eine Welt, worin ein Hund auch nur ein einziges Mal Prügel bekommen kann, ohne sie verdient zu haben, kann keine vollkommene Welt sein!
— Christian Friedrich Hebbel
Aus einer Hundeschnauze kommt kein Elfenbein - aus einem dreckigen Maul kein anständiges Wort.
Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist.
— Rabindranath Tagore
Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück.
— Pythagoras
Würde man Menschen mit Katzen kreuzen, würde dies die Menschen veredeln, aber die Katzen herabsetzen
— Mark Twain
Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.
— Georg Christoph Lichtenberg
Klein ist das Eichhörnchen,. Aber es ist kein Sklave des Elefanten.
Hunde lieben ihre Freunde und beißen ihre Feinde. Anders der Mensch: Er ist unfähig zu reiner Liebe und muss stets Liebe und Hass unter einen Hut bringen.
— Sigmund Freud
Der Mensch hat mehr von einem Affen als so mancher Affe
— Friedrich Nietzsche
Das Tier hat ein fühlendes Herz wie du. Das Tier hat Freude und Schmerz wie du. Das Tier hat einen Hang zum Streben wie du, das Tier hat ein Recht zu leben wie du.
— Peter Rosegger
Grausamkeit gegen Tiere ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes
— Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt
Es genügt, einem Menschen eine Uniform anzuziehen, ihn von seiner Familie zu trennen und die Trommel zu rühren, um ein wildes Tier aus ihm zu machen
— Leo Tolstoi