869 Sprüche — Seite 43
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Die Arbeit gleicht manchmal dem Angeln in Gewässern, in denen noch nie Fische gewesen sind.
— Jules Renard
Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres.
Die Welt ist wie ein Meer; ein jeder geht und fischt, nur dass den Walfisch der, den Stockfisch er erwischt.
— Friedrich von Logau
Wenn sie Dich dessen erachtet, wird eine Katze Dein Freund sein, niemals Dein Sklave.
— Théophile Gautier
Wenn auch die Hunde kläffen, die Karawane zieht ihres Weges.
Wenn das noch immer so weiter geht mit Arbeitseinteilung und Spezialität, dann wär das Wagnis geringer, dem Löwen in den Rachen zu sehn, als mit einem kranken Zeigefinger zum Spezialisten für Dau …
— Ludwig Anton Salomon Fulda
Wie oft in der Gesellschaft, die sich für so recht gebildet und interessant hielt, bei all dem Gerede und Feintun, seufzte ich innerlich: "Wenn doch nur ein Hund da wäre!"
— Friedrich Vischer
Auch wenn die Biene einen gestreiften Rücken hat, ist sie noch lange kein Tiger.
Nur ein Jäger, der protzt, steckt sich eine tote Ratte in den Gürtel.
Selbst wenn der Koch eine Fliege kochen würde, würde er einen Flügel für sich behalten.
Auch um ein Huhn zu fangen, brauchst du wenigstens zwei Körner Reis.
Ein Ochse vom Berg frißt nur das Gras vom Berg
Lieber möchte man ein Hund im Frieden als ein Mensch im Krieg sein.
Ein lebendiger Esel gilt mehr als ein toter Doktor.
Bevor die Maus beginnt, am Fuße des Menschen zu knabbern, bläst sie daran.
Ohne Gelegenheit ist die Hand des Starken in Fesseln; nützet dem Löwen die Kraft, dem man die Klaue geraubt?
— Johann Gottfried Herder
Alle Robbenjagd ist eine gemeine, erbarmungslose Schlächterei, bei welcher sich Rohheit und Gefühllosigkeit verbinden.
— Alfred Edmund Brehm
Tierärzte haben es leichter. Die werden wenigstens nicht durch Äußerungen ihrer Patienten irregeführt.
— Louis Pasteur
Das Wasser, in dem der Fisch kocht, ist auch das Wasser, das dem Fisch zum Leben hilft.
Ich singe, wie der Vogel singt, der in den Zweigen wohnet. Das Lied, das aus der Kehle dringt, ist Lohn, der reichlich lohnet.
— Johann Wolfgang von Goethe