869 Sprüche — Seite 39
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Man kann nicht allzeit mit eigenen Ochsen pflügen.
Wenn einem Ochsen die Haut wird abgezogen, so ist die größte Arbeit am Schwanz.
Wo keine Ochsen sind, da ist die Krippe rein.
Er spannt die Ochsen hinter den Pflug.
Er sattelt den Ochsen und koppelt die Pferde.
Das Pferd soll zur Krippe gehn, nicht die Krippe zum Pferd.
Ein gut Pferd ist seines Futters wert.
Ein Pferd, das zuviel Futter kriegt, schupft seinen Herrn.
Ein schlecht Pferd, das sein Futter nicht verdient.
Wer dem Pferde seinen Willen läßt, den wirft es aus dem Sattel.
Wer mehr hinter die Pferde legt als vor sie, der füttert nicht lange.
Das Pferd will wohl den Hafer, aber nicht den Sattel.
Das Pferd, das den Hafer verdient, kriegt dessen wenig.
Pferde fressen einen Mann, der sie mit Rat nicht halten kann.
Pferde lassen sich zum Wasser bringen, aber nicht zum trinken zwingen.
Das Pferd ist oft klüger als sein Reiter.
Hast du kein Pferd, so brauche den Esel.
Man mästet das Schwein nicht um des Schweines willen.
Wer will hadern um ein Schwein, nehm die Wurst und lass es sein.
Schweine kümmern sich nicht um köstliche Salben.