869 Sprüche — Seite 35
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Die Kuh leckt kein fremdes Kalb.
Die Kuh muss mit dem Kalbe gehen.
Es ist niemand schuldig, die Kuh mit dem Kalbe zu behalten.
Die Kuh milcht durchs Maul.
Wenn die Kuh nimmer Milch gibt, gehört sie unter den Schlegel.
Nachbars Kuh ist eine herzensgute Kuh, gibt aber keine Milch.
Schöne Küh geben gemeinlich nicht viel Milch.
Es ist gleichviel, wie die Kuh heißt, wenn sie nur gute Milch gibt.
Die Kühe, die am meisten brüllen, geben am wenigsten Milch.
Eine Kuh deckt viel Armut zu.
Man soll die Kuh melken und nicht schinden.
Schwarze Kühe geben auch weiße Milch.
Andrer Leute Kühe haben immer größere Euter.
Was soll der Kuh Muskaten? Sie frißt wohl Haberstroh.
Vier Kühe gewartet sind besser als acht schlecht gewartet.
Der Magd Sonntag ist der Kühe stiller Freitag.
Küsters Kuh darf auf dem Kirchhof grasen.
Dem die Kuh gehört, der fasst sie bei den Hörnern.
Wenn die Kuh den Schwanz verloren hat, merkt sie erst, wozu er gut gewesen ist,
Die beste Kuh geht nicht zu Markt.