869 Sprüche — Seite 54
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Hast du einen Sautrog umgestoßen, so richt ihn nicht wieder auf.
Wo viel Säue sind, wird das Gespül dünn.
Unter dreien ist immer eine Sau.
Je schlimmer die Sau, desto besser die Eicheln.
Wenn die Schwalben fortfliegen, bleiben die Spatzen hier.
Wenn die Schwalben fliegen, so bleiben hier die Fliegen.
Wenn man Schwalben am Hause hat, schlägt es nicht ins Haus.
Er lässt den Schwanz hängen wie ein begossener Pudel.
Viel Schweine machen den Trunk dünn.
Gleich Vieh leckt sich gern.
Sie leben wie die Vöglein im Hanfsamen.
Besser im Vogelsang als im Eisengeklang.
Besser Vogelfangen als ganz stille sitzen.
Es hat noch kein Wolf einen Winter gefressen.
Es grüßt kein Wolf ein Lamm.
Eine Biene ist so gut als eine Handvoll Fliegen.
Wo man blöken hört, da sind auch Schafe im Lande.
Ein Büffel ist ein groß Tier, doch kann er keinen Fuchs fangen.
Erziehst du dir einen Raben, so wird er dir zum Dank die Augen ausgraben
Es ist kein Tierlein so vergessen, es ruht ein Stündlein auf sein Essen