869 Sprüche — Seite 27
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Wer weiß, ob meine Katze, wenn ich mit ihr spiele, sich nicht mehr mit mir amüsiert als ich mich mit ihr?
— Michel de Montaigne
Ein Hund ist klüger als eine Frau; er bellt seinen Herrn nicht an
Schätze den Hund nicht nach den Haaren, sondern nach den Zähnen.
— Johann Gottfried Herder
Fliegen und Freunde kommen im Sommer.
Der Schwanz zeugt vom Fuchs.
Einem Menschen, den Kinder und Tiere nicht leiden können, ist nicht zu trauen.
— Carl Hilty
Der Maulwurf hört in seinem Loch ein Lerchenlied erklingen und denkt bei sich: Wie sinnlos ist's zu fliegen und zu singen!
— Franz Emanuel August Geibel
Gott hat die Esel geschaffen, damit sie dem Menschen zum Vergleich dienen können.
— Christian Johann Heinrich Heine
Ein Tierfreund zu sein gehört zu den größten seelischen Reichtümern des Lebens.
— Richard Wagner
Immer lustig, immer heiter, wie der Blitz am Blitzableiter, wie der Affe frech im Zoo lebe glücklich, lebe froh!
Es ging ein Scheich im Syrerland, führt' ein Kamel am Halfterband. O möcht' solch' Scheich, doch kein Barbar, auch dich einst führen zum Altar.
Ein Baum mag tausend Zhàng hoch sein, die Blätter fallen doch zurück zu seinen Wurzeln.
Der Mensch ist zur Arbeit geboren, wie der Vogel zum Fliegen
— Martin Luther
Ein Hund wird sich an drei Tage Freundlichkeit drei Jahre lang erinnern, eine Katze wird drei Jahre Freundlichkeit nach drei Tagen vergessen.
Kein Haus ist noch so fest, kein Himmel noch so hoch, im Balken nagt der Wurm, die Ratt' im Kellerloch.
— Carl Spitteler
Scharrenden Vogel brate schnell, schwimmenden langsam.
Mein Hund ist mein Freund, meine Frau ist mein Feind und mein Sohn ist mein Herr
Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur Menschenfresserei, sondern jede Art des Fleischgenusses als Kannibalismus gilt.
— Wilhelm Busch
Der eine klopft auf den Busch, der andere fängt den Vogel
Disteln sind dem Esel lieber als Rosen