869 Sprüche — Seite 49
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Ein Esel bleibt ein Esel - käm er auch nach Rom.
Wenn zwei Esel einander unterrichten,wird keiner ein Doktor.
Vom Esel kann man nicht Wolle fordern.
Wo sich der Esel wälzt, da muss er Haare lassen.
Er kommt vom Pferd auf den Esel.
Der Esel hat lieber Stroh denn Gold.
Der Esel trägt das Korn in die Mühle und bekommt Disteln.
Eselsarbeit und Zeisigsfutter ist des Überdrusses Mutter.
Es geht ihm wie dem Esel, der zwei Brüdern diente: Jedweder meinte, er sei beim andern gefüttert worden.
Ein Esel sollte immer auf der Weide sein, denn wo er frißt, da wächst es, wo er sch-, da düngt er's, wo er seicht, da wässert er's und wo er sich wälzt, da zerbricht er die Schollen.
Er sucht den Esel und sitzt drauf.
Wo Eulen und Kauze einander gute Nacht sagen.
Es ist keine Eule, die nicht schwüre, sie hätte die schönsten Jungen.
Spotte nicht mit der Eule, das ist auch ein Vogel.
Wenn das Ferkel träumt, so ist's von Trebern.
Ferkel sind Ferkel, und zieht man ihm eine Chorkapp an, legt es sich doch in den Dreck.
Wenn das Ferkel satt ist, stößt es den Trog um.
Gesottenem Fisch hilft das Wasser nichts.
Der Fisch will dreimal schwimmen: Im Wasser, im Schmalz und im Wein.
Große Fische fressen die kleinen.