Sprüche über Tiere
869 Sprüche — Seite 42
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Wer Vögel fangen will, muss süß pfeifen und nicht mit Knitteln dreinschlagen.
Wer Vögel fangen will, muss nicht mit Prügeln dreinwerfen.
Klopf auf den Busch, so fliegen die Vögel heraus.
Man muss den Vögeln richten, wenn sie im Striche sind.
Man muss den Vogel erst im Käfig haben, eh man ihn singen lehrt.
Die Vögel, die zu früh singen, holt am Abend die Katz.
Böser Vogel, böses Ei.
Jeder Vogel singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Kein Vogel fliegt so hoch, er kommt wieder auf die Erde.
Jedem Vogel gefällt sein Nest.
Jeder Vogel hat sein Nest lieb.
Nach und nach macht der Vogel sein Nest.
Alte Vögel sind schwer rupfen.
Siehe zunächst in jedwedem das Gute. So wirst du belohnt, wie die Biene, die ihre Wabe aus dem Süßesten baut.
— Johann Christoph Friedrich Haug
Ich ruf euch eure Abkunft ins Gewissen: Ihr seid nicht da, zu leben gleich den Kühen, doch zum Verfolg von Tüchtigkeit und Wissen.
— Dante Alighieri
Wenn drei Leute einen Tiger gesehen haben wollen, glauben es bald alle.
Soll man ein Huhn mit einem Messer schlachten, das für einen Ochsen bereit liegt?
Auch wenn der Spatz klein ist, hat er doch alle lebenswichtigen Eingeweide.
Wenn der Mensch in Angst und Not ist und in Furcht gejagt worden, so läuft er in Schrecken weiß nicht wohin, um Hilfe zu suchen. Das Tier, wenn es gejagt wird, springt ja auch ins Wasser und ersäuft, …
— Johann Heinrich Pestalozzi
Ein kampfsüchtiger Hahn wird nie ein fleischiges Speisehähnchen, ein angeberischer Mensch vollbringt keine große Tat.