Sprüche über Besitz
548 Sprüche — Seite 27
Was jemand besitzt, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, was ihn innerlich trägt. Besitz kann Sicherheit geben, Gewohnheiten ordnen und Wünsche befriedigen, doch er wirft immer auch die Frage auf, ob der Mensch Dinge hat oder längst von ihnen bestimmt wird. Deshalb ist dieses Thema von stiller philosophischer Schärfe.
Sein eigentliches Gewicht liegt im Verhältnis zwischen Haben und Genügen. Die Sprüche zu diesem Thema fragen danach, wie viel Eigentum Freiheit schafft, wo Abhängigkeit beginnt und warum nicht selten das, was man festhalten will, allmählich selbst Besitz über den Menschen gewinnt.
Ein natürlicher Appetit läßt uns nicht nur nach dem Besitz von Wissen (scientia), sondern nach dem Besitz von Weisheit (sapientia) streben, nach Wissen also, das man schmecken kann (scientia sapida).
— Nikolaus von Kues
Wenn die Reichen die Armen ihrer Rechte berauben, so wird das ein Beispiel für die Armen, die Reichen ihres Eigentums zu berauben.
— Thomas Paine
Ein Mensch, der kein Eigentum erwerben darf, kann auch kein anderes Interesse haben, als so viel wie möglich zu essen und so wenig wie möglich zu arbeiten.
— Adam Smith
Wertschätzung ist etwas Wundervolles. Was andere auszeichnet, wird so unser Besitz
— Voltaire
Das Glück gleicht oft den reichen, verschenderischen Frauen, welche die Häuser ruinieren, denen sie eine große Mitgift zugebracht haben.
— Nicolas Chamfort
Das Geld hat keinen Schaden davon, wie es erworben wurde, aber dem, der es erwirbt schadet es.
— John Steinbeck
Das gibt's nicht: Gerade genug Geld. Es gibt nur zweierlei: Kein Geld und nicht genug Geld.
— John Steinbeck
Ein Volk, das ein wahres, volkstümliches Bücherwesen besitzt, ist Herr von einem unermesslichen Schatze.
— Friedrich Ludwig Jahn
Mit Haben, Gewinnen, Besitzen, Genießen schließt der Ideenkreis eine Kette um den Menschen, die ihn an Staub und Erde fesselt.
— Johann Georg Adam Forster
Selig sind die Rücksichtslosen, denn sie werden das Erdreich besitzen.
— Peter Hille
Die Liebe zum Profit beherrscht die ganze Welt.
— Aristophanes
Horoskope liest, wer nicht hat, was er braucht. Die Horoskope bringen's nicht.
— Else Pannek
Ein Reicher ohne Freigebigkeit ist ein Baum, der weder Früchte noch Schatten gibt.
— Christian Friedrich Wilhelm Jacobs
Jedermann beklagt sich über die äußerste Teurung und fährt doch fort, Geld auszugeben und den Luxus zu vermehren, über den er sich beschwert.
— Johann Wolfgang von Goethe
Mit Geld kann man einen guten Hund kaufen, aber es wird nicht das Wedeln des Schwanzes erworben.
— Joseph Billings
Reich ist, wer viel hat. Reicher ist, wer wenig braucht. Am reichsten ist, wer viel geben kann.
— Gerhard Tersteegen
Gerechtigkeit ist die Versicherung, die auf unserem Leben und auf dem Vermögen ruht. Gehorsam ist die Prämie, die wir dafür bezahlen.
— William Penn
Den Geist? Als ob es Weiber gäbe, die ihn liebten. Schöne Gestalt gefällt ihnen und Reichtum.
— Ulrich von Hutten
Gefragt, was auf Erden das Seltenste sei, antwortet einer: was allen gehört, der gemeine Verstand.
— Giacomo Leopardi
Freunde haben. Es ist ein zweites Dasein. Jeder Freund ist gut und weise für den Freund, und unter ihnen geht alles gut ab.
— Baltasar Gracián y Morales