Sprüche über Besitz
548 Sprüche — Seite 36
Was jemand besitzt, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, was ihn innerlich trägt. Besitz kann Sicherheit geben, Gewohnheiten ordnen und Wünsche befriedigen, doch er wirft immer auch die Frage auf, ob der Mensch Dinge hat oder längst von ihnen bestimmt wird. Deshalb ist dieses Thema von stiller philosophischer Schärfe.
Sein eigentliches Gewicht liegt im Verhältnis zwischen Haben und Genügen. Die Sprüche zu diesem Thema fragen danach, wie viel Eigentum Freiheit schafft, wo Abhängigkeit beginnt und warum nicht selten das, was man festhalten will, allmählich selbst Besitz über den Menschen gewinnt.
Wer nichts im Beutel hat, muss mit der Haut zahlen.
Wenn der große Beutel kommt, so verwirft man den kleinen.
So geht es in der Welt, der eine hat den Beutel, der andere hat das Geld.
Alte Diener, Hund und Pferd sind bei Hof in gleichem Wert.
Leichter ein Dorf vertan als ein Haus erworben
Ein Edelstein gilt so viel, als ein reicher Narr dafür geben will
Ehrlich macht reich, aber langsam geht's her.
Wer sein eigner Herr kann sein, geh' keinen Dienst bei Herren ein.
E i n Pfennig in der Sparbüchse macht mehr Gerassel, als wenn sie voll wäre
Wer will wohl und selig sterben, lass sein Gut den rechten Erben
Du hast noch kein Erbe mit ihnen geteilt!
Wo ein schöner Fleck ist, da schmeißt der Teufel ein Kloster hin oder einen Edelmann
Was die Frau erspart, ist so gut, als was der Mann erwirbt
Wenn der Mann einlöffelt und die Frau ausscheffelt, muss die Wirtschaft zugrunde gehen
Eine Frau kann mit dem Fingerhut mehr verschütten, als der Mann mit dem Eimer schöpfen kann
Die Frau kann mit der Schürze mehr aus dem Hause tragen, als der Mann mit dem Erntewagen einfährt.
Freiheit und eigener Herd sind großes Geldes wert
Eine Kuh im Frieden ist besser als drei im Kriege
Besser ein Ei im Frieden als ein Ochs im Kriege
Fried und ein neugebautes Haus sind nimmer zu teuer